Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 23 (sequence 20)
- Language
- German
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Die ruffische Revolution und die russischen Juden. 23 Riesenreich, das sich damals in ärgster Gährung befand, verzweigten Aktion nicht eine einzige begründete Klage an das Zentralbureau beim Hilssverein gekommen ist. Das ist ein Zeichen von der Opferwilligkeit, von der Unparteilichkeit, von der Hingebung, mit der die von uns in Rußland eingesetzten Komitees, unter dem Petersburger Hauptkomitee und unter seinem trefflichen Präsidenten, Baron Horace von Günzburg gewirkt haben. (Lebhafter Be fall.) Neben dieser Hilsstätigkeit, die sich darauf beschränkte, Geld Zu spenden, mußte ein Zweites geschehen. Es mußte Vorsorge getroffen werden, daß die flüchtenden Massen aus Rußland, die über unsere Grenze kamen, in Stille und Ruhe, ohne erhebliche Schwierigkeiten durch Deutschland durchgesührt werden konnten. Auch das ist geschehen, und zwar in sehr umfassender Weise. Im Jahre l.905 wurden 13 361 Personen von den Organisationen des Hilfsvereins durch Deutschland hindurch expediert und 1906 bis Zum September allein 12 227 Personen, so daß in diesem Jahre aller Voraussicht nach 15 099 Personen durch unsere Organisationen über deutsches Gebiet hinübergesührt werden dürften, Zum Teil n ch Kanada, zum überwiegenden Teile in die Vereinigten Staaten, zum Teil nach Süd-Amerika, Zum Teil auch nach Süd-Afrika, wenige nach England und in andere Teile der Welt. Ich will nicht daraus eingehen, wie die Versorgung der Witwen und Waisen stattfand; ich will nicht darauf eingehen, daß ein großer Teil der Waisenkinder in Deutschland, England und Amerika untergebracht werden konnte. Ich will den Tatsachen, die ich Ihnen mitgeteilt habe, nunmehr die Frage gegenüber stellen: was hat das alles genützt? Diese Frage ist häufig an mich gerichtet worden. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß das, was von uns, die wir von allen Seiten unterstützt wurden, unternommen wurde, geschehen mußte. Das war Menschenpflicht. Aber darüber kann man sich nicht täuschen, daß mit diesen Millionen Mark, obgleich sie recht Zahlreich geflossen sind, doch das Nebel keineswegs an seiner Wurzel gefaßt werden konnte. Es sind nur die allerärgsten Wunden geheilt worden, es sind nur die allerschlimmsten Uebelstände einigermaßen gemildert worden, es konnte nur dort eingegriffen werden, wo das Unglück am allergrößten war. Aber wir können uns darüber nicht täuschen, und