Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 22 (sequence 19)
- Language
- German
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22 Im deutschen Reich. war klar; denn man mußte sich sagen, daß auf diese Weise eine umfassende Hilfe niemals gemahn werden konnte. Damals wandte sich der Hilfsverein der deutschen Juden an Lord Rothschild nach London und an Jakob H. Schiff nach New-Jork, diese großdenkenden Glaubesgenossen, und wir schlugen den Genannten vor, in New-Court eine Konferenz abzuhalten, in der einheitlich die Organisation der Wohltätigkeit für unsere Glaubensgenossen geordnet werden sollte. Das geschah. Dieser Organisation traten alle großen humanitär.n Vereine bei, die einen unmittelbar, wie die Amerikaner, Engländer, die Deutschen und der Hilfst erein, die andern etwas später. Es wurde in London sogleich etne gemeinsame Kasse gebildet, der nicht bloß von Inden, sondern auch von Christen erhebliche Mittel zuflossen. Nunmehr trat die Aufgabe an uns heran, weiter Zu organisieren und das Geld, das sich bei Lord Rothschild in London allmählich ansammelre, in die richtigen Kanäle nach Inner-Rußland zu leiten. Es wurde eine kleine Kommission gewählt, ter ein Engländer, Mr. Srettauer, ein Russe, Herr Fleinberg und ich selbst angehörten. Wlr reisten nach Petersburg und alsdann durch ganz Rußland bis hinunter nach Odessa unter nicht ganz leichten Verhältnissen. Der Eisenbahnstreik brach gerade aus, die Postverbindungen waren zum Teil unterbunden, der Telegraph funktionierte vielfach nicht. Trotzd m gelang es uns mit Unterstützung unserer Freunde in Petersburg, an unsere russischen Glaubensgenossen allein auf der Reise, die wir durch Rußland machten, 1 639 000 Rubel sofort zu verteilen, und es sind seitdem über 10 Millionen Mark nach Rußland geflossen. (Lebhaftes Bravo.) Ich glaube, daß, solange die Welt steht, eine ähnliche Hrlssrätigkeir niemals entfaltet worden ist, und so traurig der Anlaß ist, die Juden der Erde, — denn überall her kam Geld,— können stolz darauf sein, daß sie imstande gewesen sind, in dieser Weise ihren unglücklichen Brüdern beizustehen, und wir müssen zugleich allen jenen Christen dankbar sein, die auch ihrerseits zu diesem Fonds beigesteuert haben. (Lebhaftes Bravo und Händeklatschen.) Ich will dabei erwähnen, daß die Gelder nicht ausschließlich für Juden ausgegeben worden sind, sondern auch füv jene Christen, die durch die Pogrome unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen wurden. (Beifall.) Das Wunderbarste aber war vielleicht, daß bei dieser außerordentlich schwierigen, komplizierten, über ein