Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 21 (sequence 18)
- Language
- German
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Die russische Revolution und die russischen Juden. 21 Man suchte freilich vergeblich die Finnen gegen die Schweden Zu Hetzen und sie zu veranlassen, sich gegenseitig abzuschtachten. Aber es ist vollkommen geglückt, in den Ostseeprovinzen ein furchtbares Masfacre zwischen den Eschen, Letten und Deutschen herbeizusühren. Dasselbe ist im Kaukasus der Fall gewesen, wo die Tartaren gegen die Armenier gehetzt wurden. Dasselbe ist geschehen mit unfern unglücklichen Glaubensgenossen, mit den Juden. Damit komme ich Zu den traurigsten und schrecklichsten Ereignissen nicht bloß dieser russischen Revolution, sondern zu einem der furchtbarsten Ereignisse, das es, soweit meine historischen Kenntnisse reichen, überhaupt gibt. Nachdem ein Etwas, was wie eine Verfassung aussah, in Rußland proklamiert worden war, entfesselte die russische Bureaukratie, um den Beweis Zu liefern, daß die russische Bevölkerung mit dieser Verfassung unzufrieden sei, Judenmassacres, und zwar in einer Ausdehnung, von der man kaum eine Vorstellung gewinnen kann. An 640 Orten in Rußland haben Judenabschlachtungen stattgesunden. Es sind 38 225 Familien durch diese fürchterlichen Ereignisse betroffen worden, und diese Familien repräsentieren nach den Zahlungen, die von unseren Freunden vorgenommen sind, 162 700 Personen (Hört, hört!)- Man denke sich, 162 700 Personen werden im eigenen Lande von den eigenen Mitbürgern ausgeplündert, verwundet, geschändet, abgeschlachtet unter wohlwollender Assistenz oder unter direkter Mithilfe der Regierungsorgane (Stürmische Pfuirufe); 985 Personen sind in Pogromen erschlagen worden, 380 Frauen sind verwitwet, 211 Kinder sind Vollwaisen geworden, 328 Kinder wurden Halbwaisen. Diese kalten nüchternen Zahlen bergen ein Meer von Elend. Ich will Ihnen, meine Damen und Herren, ganz kurz von der Hilfstätigkeit einige Mitteilungen machen, die, um dieses Elend zu mildern, eingeleiret worden ist. Es war ein Unglück, so groß, daß man es zunächst garnicht überblicken konnte, und es war ganz klar, daß keine humanitäre Institution darauf eingerichtet war, dieses ungeheure Elend auch nur einigermaßen zu lindern. Die Folge davon war, daß zunächst ziemlich anarchisch Geld nach Rußland geschickt wurde, von dem einen hierhin, von dem andern dorthin. Daß auf diese Weise nicht lange fortgefahren werden durfte,