Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 20 (sequence 17)
- Language
- German
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20 Im deutschen Reich. ihrem Wundfieber zu sehen. (Lebhafte Pfuirufe). Wenn eine Regierung in dieser Weise gegen eine große Masse der Bevölkerung vorgeht, dann freilich kann sie sich nicht wundern, daß diese Bevölkerung die Dankbarkeit gegen ihr Vaterland zwar nach wie vor empfindet, aber gegen eine solche Regierung gewiß nicht. (Zehr richtig und Beifall) Ich habe hervorgehoben, daß es der politischen Taktik der russischen Regierung entsprach, gegen die Arbeitgeber und gegen die Intelligenz die Arbeirermassen auszuspielen. Genau dieselbe Taktik verfolgte die russische Regierung auch gegen die Juden, aber nicht allein gegen die Juden, sondern gegen alle jene Elemente, die nicht zum eigentlichen russischen Staatskörper gehören, gegen die sogenannten Fremdvölker. In Finland suchte mm die finnische Bevölkerung gegen die schwedische auszuspielen und die schwedische gegen die finnische. In den Ostseeprovinzen, wo Deutsche wohnen, hetzte man die Esthen und Letten zunächst auf die Deutschen, und als dann eine barbarische Revolution sich entwickelt hatte, hetzte man wiederum die Deutschen auf die Esthen und die "Letten. Denselben Vorgang suchte man in Polen zu inszenieren, und ich darf es hier anführen, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach nur der Intervention des hohen katholischen Klerus Polens zu verdanken ist, wenn nicht durch Machinationen der russichen Regierung Massacres zwischen Polen und Juden im Königreich Polen staitgefunden haben. Massacres fanden dann auch im Kaukasus statt zwischen Tartaren und Armeniern. Sie sehen, daß hier ein konstantes Prinzip der russischen Regierung zur Geltung kommt, das ungefähr folgendermaßen zu fixieren wäre: Mit den „geistigen" Machtmitteln, über die die russische Regierung verfügt, ist es ihr unmöglich, sich fremde Völker zu assimilieren; und es ist natürlich ein Zeichen von Kultur, wenn man die Möglichkeit hat, jene Elemente durch allallmähliche geistige Assimilierung in den eigenen Staatskörper aufzunehmen, die ihm ursprünglich fremd gegenüberstehen. Die Politik eines Alexander III. und eines Nikolaus ist dazu nicht imstande, und da diese Herrscher der Ueberzeugung sind, daß diese Fremdvölker, die Juden eingeschlossen, in ihrer geistigen Regsamkeit ein Element der Gefahr für die russische Autokratie bilden, so spielen sie die verschiedenen fremden Völker gegen einander aus.