Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 6 (sequence 3)
- Language
- German
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6 Im deutschen Reich. verhältnismäßiger Einfachheit; es waren das Zeiten, in denen in einer gewissen traditionellen Art und Weise die Verhältnisse sich Bleibenb im Gleichgewicht erhielten, wo die Notwendigkeit, neue Eingriffe in die alten Verhältnisse zu machen, außerordentlich selten war. Unter solch-m Umständen haben Autokratien, hat das Zarentum Jahrhunderte lang geherrscht, und zwar nicht viel schlechter geherrscht, als unter Umstanden auch inanderen despotisch regierten Ländern geherrscht worden ist. Aber die Verhältnisse haben sich außerordentlich geändert, sie haben sich geändert durch drei Einwirkungen: durch die Entdeckung der Buchdruckerkunst, durch die Erfindung von Dampfmaschinen und durch die Verwendung von Dampfmaschinen als Lokomotiven, die in den mächtigen russischen Körper hinein die Ersenbahnzüge schleppen und Länder erschlossen und dem Verkehr übergaben, die bisher noch niemals erschlossen waren. Die Buchdruckerkunst erschuf eine neue, denkende Oberschicht, die moderne industrielle Maschine eine neue Arbeiterschaft, und die Eisenbahnen gestalteten das agrarische Land um. Ich will mich zunächst einmal dem einen großen Motor des Fortschritts Zuwenden, der Erfindung oder vielmehr der Verwertung der Buchdruckerkunst, und ich werde mir erlauben, Sie in eine russische Universität zu führen, in jenen Teil des russischen Reiches, wo das Gehirn des russischen Volkes, gestaltet wird. Unter dem Kaiser Alexander II. waren die Verhältnisse an den russischen Universitäten noch einigermaßen erträglich: unter seinem Nachfolger Alexander XII. wurden sie vollkommen unerträglich. Es war im Jahre 1884, als eine vollkommene Umgestaltung des Universitärswesens stattfand; damals wurden die letzten Reste der Autonomie den russischen Universitäten genommen; die Universitäten in Rußland waren nicht mehr Anstalten zur Bildung der Geister, sondern Anstalten Zur Züchtung untertäniger Staatssklaven. Und diese Behauptung kann man in allerkürzester Zeit mit wenigen Strichen klarstellen. Dem Prosessoren-Kollegium wurde die Selbständigkeit genommen, und in die Universitäten hinein wurden Polizisten geschickt, die nicht nur die Professoren, sondern auch die Uwoersitätsjugend überwachten. Diese Ueberwachung ging soweit, daß man sich von ihr in Westeuropa eine zutreffende Vorstellung kaum machen kann. Jugend und Professoren standen ständig