Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / Herzfeld
- Date
- 1906-12-01
- Page
- 713 (sequence 4)
- Language
- German
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VereinZrraLrichLen. 713 des Innern bis heute noch nicht beantwortet. Wir setzen voraus, daß sich Gelegenheit zu einer Interpellation im Abgeordnetenhanse finden wird. — Da in d.r Zeitschrift „Die Flotte" durch eine Notiz „Auf nach Borkum" die Mitglieder des Flottenvereins zu einem Besuch dieser Nordseeinsel angeregt wurden, hat ein jüdisches Mitglied die Redaktion der Flotte um Auskunft ersucht, ob die jüdischen Vereinsmitglieder daraufhin die Fahrt dorthin wagen könnten. Die ausweichende Antwort, die darauf erfolgte, haben wir unseren Lesern bereits mitgeteilt. Gerade als Deutsche empfinden wir es als eine Schmach, daß Zustände wie in Borkum in einem Kulturstaate geduldet werden. Daß in dem Badeort Binz ein christlicher Gast wegen seines Kommerzienratstitels als Jude angesehen und von dem Wirt des Imperial-Restaurants gröblich beleidigt wurde, sollte doch den Behörden endlich klar machen, wohin die Duldung antisemitischer Roheiten führt. — Daß die Rabbiner von Breslau und Bromberg sich durch die erfundene Notiz der „Deutschen Hochwacht", betreffend die angeblich auf dem Posener Bahnhofe gefundene Mädchenleiche, beleidigt gefühlt haben, ist selbstverständlich. Das Stettiner Schöffengericht hat jedoch den verantwortlichen Redakteur Hübbe freigesprochen. Ein ähniches Verfahren gegen die Redaktion der Krösellschen Zeitschrift „Mittelstand" schwebt noch in Stargard. — Unsere „Berichtigungen" haben den antisemitischen Lesern stets zur Aufklärung gedient, wenn sie unter dem Druck des § 11 des Reichspreßgesetzes von uns gefordert werden konnten; haben wir nur unter Berufung auf die „Wahrheitsliebe" der betreffenden Blatter um Aufnahme von Berichtigungen ersuchen können, so sind unsere aufklärenden Mitteilungen stets in den Papierkorb gewandert. Dort hat sich zweifellos auch unsere der „Germania" gesandte Notiz verloren, die wir in der „Umschau" erwähnen. — Die Frage der Wahl der Reserveoffiziere ist durch eine Jnterpellarion im Parlament in Fluß geraten, wie die vom Kriegsminister angeordneten Erhebungen zeigen. Wenn diese dazu fuhren, daß die Wahl den aktiven Offizieren übertragen wird, läßt sich hoffen, daß diese sich doch eher bereit finden werden, Juden gegenüber ihr Gerechtigkeitsgefühl zu beweisen. — Die Schächtverbote sind Angriffe auf die gesetzlich verbriefte Gewissensfreiheit unserer strenggläubigen Brüder. Ob von uns jeder einzelne sich in seinem Gewissen bedrängt fühlt, wenn er