Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / Herzfeld
- Date
- 1906-12-01
- Page
- 712 (sequence 3)
- Language
- German
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712 Im deutschen Reich. liche Statistik ermöglicht werden, dann könnte sich die Zahl hervorragender jüdischer Musiker als sehr bedeutend erweitern Sei schon jetzt die antisemitische Behauptung, daß den Juden jede höhere Begabung für künstlerische Leistungen abgehe, durch das, was die Juden in der Neuzeit auf dem Gebiet der Tonkunst geleistet haben, als völlig unzutreffend erwiesen, so müsse nun erst recht jedes Streben jüdischer Künstler, das Höchste zu erreichen, unterstützt und gefördert werden. Jüdischen Musikern, denen dies leider heute noch durch die von den Rasseantisemiten verbreiteten Vorurteile sehr erschwert würde, sollte wohlwollende Unterstützung zuteil werden, um sie zu befähigen, Bedeutendes in der Kunst Zu leisten und dadurch Zur Kulturentwickelung der Menschheit Großes beizutragen. Der Vorsitzende sprach Herrn Kapellmeister Levp im Namen der Versammlung den wärmsten Dank für den gebotenen Genuß aus und ging dann zu geschäftlichen Mitteilungen über, die lebhaftes Interesse erregten. Der Redner gedachte der während der langen Ferienzeit aus dem Leben geschiedenen Vereinsmitglieder, insbesondere der Herren Koma.erzienrat BerolZheimer-Nürnberg, Kommerzienrat Jacob Goldschmidt-Gotha, Carl Heiden-Heimer-MainZ, Amtsgerichtsrai Eduard Levp-Beuthen, Moritz Marcuse-Schönebeck, Stadtrat Louis Fernbach-Bunzlau, Geh. Medizinalrat Dr. Hermann Cohn- Breslau, Moritz Weil-Parchim, sowie der beiden Repräsentanten der Berliner Gemeinde, Joses Frankel und Louis Sieskind. Die Versammlung erhob sich zu Ehren der Verstorbenen von den Sitzen. — Hierauf fanden die von dem regen Leben im Cenrral-Verein Zeugenden zahlreichen auswärtigen Versammlungen Erwähnung, durch die der Verein selbst in der stilleren Jahreszeit erheblichen neuen Zuwachs erhalten hat.— Auf dem Gebiete des Rechtsschutzes war in derselben Zeit manches Bemerkenswerte zu verzeichnen. Bald nach unserer Beschwerde über den Mißbrauch des Heimatsurlaubs des Grasen Pückler erfolgte seine Verurteilung zu drei Monaten Gesäugnis wegen einer von ihm im Buggenhagen-Saale gehaltenen Brandrede. Die Zeitungsnachricht von dem Verbote seiner Radauoersammlungen hat sich aber nicht bestätigt. Ein weiteres Strafverfahren gegen Pückler schwebt noch. — Unsere Beschwerde über das Verhalten der Behörden in Borkum einem deutschen Bürger gegenüber, der sich auf die Jnnehaltung des Freizügigkcitsgesetzes verlassen zu können glaubte, hat der Minister