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Im deutschen Reich · 1906-12-01 · Heft 12 (Dezember 1906) · p. 711

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 12 (Dezember 1906)
Article
[Ohne Titel] / Herzfeld
Date
1906-12-01
Page
711 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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VereinsnachrichLen. 711 anwalt Dr. Horwitz, erhielt Herr Kapellmeister Eduard Levp das Wort zu einem Vorträge über »Jüdische Musik und Musiker", in dem er einerseits die oft gehörte judenfeindliche Behauptung zu widerlegen suchte, daß die Juden in der Kunst nichts geleistet hätten und überhaupt unfähig seien, auf diesem Gebiete höchster kultureller Betäügung Hervorragendes zu leisten, andererseits aber auch die Annahme entkräften wollte, daß irgendwelche synagogalen Gesänge uralt und jüdischen Ursprungs seien. Der von klassischer Bildung und rednerischer Begabung zeugende Vortrag erweckte lebhaftes Interesse, wenn auch einzelne Ausführungen, wie diejenigen, daß man talentierte christliche Männer jüdischer Abstammung als „jüdische Musiker" zu bezeichnen habe, nicht allgemeine Zustimmung fanden. -Der Vortragende verwies darauf, daß aus der Zeit des grauen Altertums bedeutende musikalische Leistungen bei den anderen Kulturvölkern ebensowenig nachweisbar seien, wie bei den Juden und daß, als im Mittelalter die Tonkunst einen Aufschwung nahm, die Juden in so bedrängten Verhältnissen lebten, daß sie unmöglich auf dem Gebiete der Kunst die Schwingen entfalten konnten. Als aber im Völkerfrühling auch ihre Ketten brachen und die Berührung mit hochgesinnten Andersgläubigen ihrem Bildungstrieb zu statten kam, hätten sie sich bald bestrebt, mit jenen auf dem Felde der Kunst zu wetteifern. Bei den größten Leistungen der Tonkunst könne man überhaupt nicht enge nationale Grenzen ziehen. So wenig das, was die größten Heroen, Bach, Beethoven und Mozart, geschaffen, als spezifischdeutsche" Musik bezeichnet werden dürfe, könne man auf der höchsten Stufe der Kunst eine spezifisch-„jüdische" Musik verlangen. Unter jüdischer Musik würde nach Ansicht des Vortragenden im allgemeinen ausschließlich zu verstehen sein, was Komponisten jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung Bedeutenderes geschaffen haben und was Züge in sich trägt, die an jüdische Eigentümlichkeiten und jüdisches inniges Empfinden erinnern. Solche Züge suchte der Redner bei den musikalischen Leistungen weltbekannter Musiker, wie Mendelsohn, Rubinstein, Meperbeer, Halovy und Goldmark nachzuweisen. Er betonte dann die Tatsache, daß verhältnismäßig zahlreiche jüdische Künstler (darunter Moscheles, Jacques Offenbach, FeUcien David, Henri Herz, Hermann Levp, J.znatz Brüll, Erlanger u. a. m.) bei der Pflege der Musik große Erfolge errungen haben. Würde eine bezüg-

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