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Im deutschen Reich · 1906-12-01 · Heft 12 (Dezember 1906) · p. 707

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 12 (Dezember 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-12-01
Page
707 (sequence 9)
Language
German
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Umschau. 707 Tode des Abg. Lieber erschien eine gleiche Deputation bei einem der setzt noch lebenden Führer des Zentrum mit demselben Anliegen. Wie die Dinge liegen, ist es verständliche daß das Zentrum, wenn es auch den Juden gegenüber an seinem Grundsatz der staatsbürgerlichen Toleranz festhält, das lediglich tut, weil es so seiner politischen Ueberzeugung entspricht, nicht aber aus Vorliebe für die Juden, welche sich bisher nach keiner Richtung hin durch ihre politische Haltung Anspruch auf die Dankbarkeit des Zentrums erworben haben. Das gilt ebenso für die liberalen wie für die orthodoxen Juden. Selbstverständlich wird auch in Zukunft die bisher vom Zentrum verfolgte Linie, den religiösen Anschauungen des Judentuns mit vollster Toleranz zu begegnen und die Juden gegen jegliche Vergewaltigungen ihrer religiösen Anschauungen zu schützen, unentwegt sestgehallen werden. Es wird aber nicht schaden, wenn die Juden sich darüber klar sind, daß das Zentrum das lediglich aus Prinzipientreue tut und keineswegs aus irgendwelchem Gefühle, dem Judentum gegenüber oerpstichtet zu sein, oder in der Meinung, aus politischen Opportunitätsgründm irgendwie Rücksicht aus das Judentum nehmen zu müssen. Es kann im politischen Leben Vorkommen, daß man durch die Macht der Verhältnisse gezwungen wird auch wenn man nicht will, der Gegner seiner Gegner zu werden. Es wäre gewiß angezeigt, wenn die Juden auch das ein wenig im Auge behielten." — Kurz vorher hatte dasselbe Blatt ein Schreiben veröffentlicht, das mit folgenden ähnlichen drohenden Worten schloß: „Wenn die katholische Presse, von wenigen Ausnahmen abgesehen, trotzdem vor wie nach den Antisemitismus auch in milder Form verwirft, so handelt sie manchmal gegen die Volksstimmung ihrer eigenen Leser. Die einsichtigen Juden sollten diese Schwierigkeiten anerkennen und durch Gegenseitigkeit in der Toleranz zu vermindern trachten. Wenn das Prinzip nicht wäre, so müßten die Katholiken nach dem Axiom ^Aug' um Augh Zahn um Zahn" die erbittertsten Feinde der Juden sein. Gut, daß es nicht so ist. Es scheint, daß es endlich auch in jüdischen Kreisen zu dämmern beginnt." Man muß der „Köln. Volkszeitung" ohne weiteres zugestehen, daß sie selbst stets den Antisemitismus „auch in mildester Form" verworfen hat; aber die Behauptung daß dies von der

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