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Im deutschen Reich · 1906-12-01 · Heft 12 (Dezember 1906) · p. 701

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 12 (Dezember 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-12-01
Page
701 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 701 Im allgemeinen bewegten sich die Verhandlungen des Parteitages in den üblichen antisemitischen Geleisen; bemerkenswert aber war in der Tendenzrede des RsichsLagsabgeordneten Oswald Zimmermann über „innere und äußere Politik der Partei" die ungewöhnlich scharfe Betonung der Notwendigkeit einer großen bürgerlichen Oppositionspartei. Im Verlaufe der Rede gab er dem Bedauern darüber Ausdruck, daß heute Juden im Kaiserschlosse zu Berlin ein- und ausgehen. Zu dem Bank- und Großadel sei jetzt auch noch der Aktienadel gekommen. Als Beispiel für den zunehmenden jüdischen Einfluß führte der Redner die beabsichtigte Aenderung des Wahlrechts der Reserveoffiziere und die Behandlung der Schächtfrage in Nürnberg beim Tierschutzvereinstage an. Der Redner rügte darauf auch, daß die Postuniform-Lieferanten hauptsächlich jüdische Großhandlungen und die vielgepriesenen Handelshochschulen Tummelplätze für Ausländer und Juden seien. Unter solchen Umständen dürfe man sich nicht wundern, wenn schließlich jeder „national Denkende" (d. h. wohl, jeder Antisemit) zum Schwarzseher werde. Nach Zimmerwann sprach der Rechtsanwalt Harwonp- Kassel über die Propaganda für die nächsten Wahlen, insbesondere in Hessen, und äußerte sich dabei eingehend über die tiefe Kluft zwischen den Reformern und den Deutsch-Sozialen. In der sich anschließenden Debatte bezeichnete der Abg. Bruhn seine Wiederwahl und die des Abg. Böckler als totsicher und weinte, daß die Reformpartei auch in Deutsch-Krone und Neustettin Kandidaten aufstellen werde. Mit noch weit größerer Zuversicht als die Reformer gehen die Deutsch-Sozialen den künftigen Wahlkämpfen entgegnen, weil sie dabei wiederum auf die tatkräftige Unterstützung des „Bundes der Landwirte" rechnen. Daß sie besonders in den hessischen Wahlkreisen auf den Widerstand der Anhänger der Reformpartei stoßen müssen, verbessert die Aussichten der liberalen Gegner beider antisemitischen Fraktionen; noch günstiger können sich aber bei frühzeitiger Organisation diese Aussichten dadurch gestalten, daß sich innerhalb der deutsch-sozialen Partei in nächster Zeit zahlreiche Stimmen gegen solche Führer erheben müssen, die auf das Kommando des nach und nach seniler gewordenen Rufers im Streit, des Abg. Liebermarm von Sormenberg,

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