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Im deutschen Reich · 1906-12-01 · Heft 12 (Dezember 1906) · p. 691

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 12 (Dezember 1906)
Article
Graf Pückler-Klein-Tschirne
Date
1906-12-01
Page
691 (sequence 11)
Language
German
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Graf Pückler-Klein-LsHirne. 691 nichts anderes einwenden, als eine längst von den Hinterbliebenen des Grafen Andrassp als eine nur satirische Verhöhnung des Antisemitismus bezeichnet Aeußerung des freisinnigen ungarischen Staatsmannes und die Wiederholung eines nach Auffindung der unverletzten Leiche der Esther Solpmossi amtlich widerlegten Hetzmärchens Vorbringen. Die von ihr schließlich zum Ausdruck gebrachte Vermutung, der Herr Staatsanwalt dürste „im Privatleben auch sogar etwas Antisemit sein'", würde aber, wenn sie überhaupt richtig wäre, nur um so vernichtender für Pückler und seine stillen Anbeter sein! Aus den verurteilten Grafen scheinen weder die Worte des Staatsanwalts, noch die des Gerichtshofes einen tieferen Eindruck gemacht Zu haben; denn in einer am 2L Oktober im Artushose in Berlin veranstalteten Versammlung polterte er in seiner bilderreichen Sprache schlimmer als je Zuvor. Er beklagte sich bitter über die Regierung, die ihn fortwährend vor die Schranken des Gerichts zerren lasse. Die Richter hätten keine einwandfreien Visagen gehabt. Der Vorsitzende heiße Rosenberg — wie kann man nur Rosenberg heißen?! Den Richter Simonsohn belegte er mit noch schöneren Schmeichelnamen. Als der überwachende PoliZeileutnant den Redner darauf aufmerksam machte, daß er schon eine Beleidigung der Richter auf die andere gehäuft habe und dieses Thema verlassen möge, schimpfte Pückler über die Polizeileutnants. Nicht wiederzugeben sind die Aeußerungen über den Kaiser, dem Pückler es besonders übelnahm, daß er seinen Bruder in Glogau besucht, bei dieser Gelegenheit aber ihn nicht begnadigt habe. Wenn nichts dabei herauskomme, dann bedanke sich sein Bruder für den kaiserlichen Besuch, der ihm 20 000 Mk. gekostet habe. Als Graf Pückler dann über die Ernennung Dernburgs zum Kolonialdirektor zeterte, löste der überwachende Leutnant die Versammlung auf, von der die „Staatsbürger - Zeitung" am anderen Tage kühn behauptete, sie wäre einmütig der Ansicht gewesen, daß die Auflösung zu Unrecht erfolgt sei. Eine von Pückler am 29. Oktober in Kellers Sälen veranstaltete Versammlung entging der Auflösung. Im Verlauf seiner „Rede" stellte Graf Pückler den „Hauptmann von Köpenick" als einen modernen Raubritter hin. Das fei ein Mann, wie er ihn brauche. Hätte er 300 solcher Hauptleute, so sei die Judenfrage gelöst. Sollte wieder einmal jemand einen

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