Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 657 (sequence 13)
- Language
- German
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Umschau. 657 geschlagen wurde, gelang es Herrn Bailleu, den dritten Bezirk für sich Zu erobern und als Stadtverordneter ins Rote Haus einzuziehen. Die Freude war aber nur kurz, denn sofort bei Ablauf seines Mandats (1893) setzten ihm die Wähler wieder den Stuhl vor die Tür." Die ihm von der Seite Stöckers jetzt erteilten Zurechtweisungen werden einen Mann von dieser politischen Vergangenheit nicht hindern, ihm weiter behilflich und nützlich zu sein. — Die „Kreuz-Ztg." ist bereits für ihn mit der Entschuldigung eingetreten, er habe wohl hauptsächlich die ungarische Presse im Auge gehabt, die fast ausschließlich von Juden redigiert werde. Nach Ansicht der „Kreuz-Ztg." ist es also offenbar einem preußischen Archivdirektor gestattet, Juden zu verleumden. Gegen eine in geschickterer Form ausgeführte Lobpreisung des erfolgreichen Führers der österreichischen Christlich-Sozialen durch einen Direktor des preußischen Staatsarchivs hätten Stöcker und sein Anhang gewiß keine Einwendung gemacht; denn der am 1. Oktober im Stadthause zu Weimar unter dem Vorsitze Stöckers abgehaltene christlich-soziale Parteitag hat gezeigt, daß diese Herren im Grunde nichts anderes erstreben als Lueger und Genossen, und auch eine ähnliche Taktik anwenden. Bald nach dem Kongresse hat der aufs neue zum Parteipräsidenten gewählte ehemalige Hofprediger Stöcker einen Aufruf erlassen, in dem er erklärte, für einen wichtigen Partei- Zweck die Summe von 60000 M. Zu gebrauchen, zu der besonders begüterte, kinderlose Leute beisteuern möchten. Die Behauptung der „Liberalen Korrespondenz", daß er mit Hilfe dieser Summe sämtliche nichtsozialdemokratischen Arbeiter-Organisationen. Zu vereinigen beabsichtige, ist inzwischen von seinen Organen als völlig unzutreffend bezeichnet worden. Immerhin wird man gut tun, seinen Einfluß auf gewisse Kreise nicht zu unterschätzen, wenn dies auch zur Zeit noch von Seiten Vieler geschieht, die sich offenbar nicht darüber klar sind, daß dieser Einfluß mehr und mehr in einer Richtung und in einer Weise geltend gemacht wird, die wenig geeignet ist, monarchische Gesinnung zu fördern. Besonders verhängnisvoll kann in Zukunft auch der Einfluß werden, den er auf den Verein deutscher Studenten bereits bisher ausgeübt hat und wohl auch weiter ausüben wird.