Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 656 (sequence 12)
- Language
- German
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656 3m deutschen Reich. grüßungsrede des Kongresses hatte Bürgermeister Pr. Lueger den Wunsch ausgesprochen, daß die Geschichte möglichst von den Geschichtslügen befreit würde. Ihm antwortete der Präsident des Kongresses, Geheimrar Bailleu, indem er ausführte: „Pr. Lueger hat eine kleine Mahnung an die Historiker gerichtet, er hat von Geschichtslügen gesprochen; aber es sind nicht die Historiker, die die Lügen verbreiten, das sind die Zeitgenossen, das sind die Journalisten, die solche Dinge in die Welt setzen. Gibt es eine ärgere Geschichtslüge als sene, die man uns im Reiche erzählt von diesem Manne, der vor uns sitzt, von diesem „schwarzen" Manne, der hier Fluten von Licht über die Stadt ausgebreitet hat, von diesem „schwarzen" Manne, der die Stadt Wien zu oinem Glanze erhoben hat, die wir bis vor 30 Jahren nie geahnt hätten? Wie passen die Geschichtslügen zu dem, was dieser Mann für den Schmuck, die Verkehrsverhültnisse, Gartenanlagen, für die Großzügigkeit, für alles das, was einer Großstadt ziemt und was sie schmückt, zu tun verstand? Alles das erfüllt uns mit Freude und Begeisterung, und wir Historiker werden uns nicht beeinflussen lassen durch das, was die Journalisten uns erzählen." Dazu wird in den Blättern Stöckers bemerkt: „Es ist selbstverständlich, daß die Ausführungen des Geheimrats Bailleu, die wir aufs schärfste verurteilen, in einem Teil der Presse einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen haben." Bon wem sich Herr Bailleu hat „beeinflussen lassen", geht aber hinreichend aus den Ausführungen der liberalen Presse hervor, die sich sofort mit der Beantwortung der Frage beschäftigte: „Wer ist der Lobredner des antisemitischen Wiener Bürgermeisters?" Das „Verl. Tageblatt" beantwortet die Frage wie folgt: „In Berlin kennt man ihn zur Genüge, aus der Zeit, als er Berliner Stadtverordneter war, und als er es werden wollte. Damals war er nur ein ganz simpler Pr. Bailleu, Archivar. Aber er hatte bereits einen besonderen Ruf vermöge seiner intimen Freundschaft mit Herrn — Pickenbach und tutti quaiiti! Er war es, der in der Hochflut des Antisemitismus schäbigsten Genres, in der zweiten Hälfte der 80er Jahre, die Clique, die Herr Pickenbach organisiert hatte, leitete und im Berliner Westen in allen drei Wahlbezirken zum Sturm aufs Rote Haus führte. Während der Angriff in