Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 658 (sequence 14)
- Language
- German
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658 Im deutschen Reich. weil aus diesen Kreisen Zunächst die Männer hervorgehen, die später in einflußreichen StaarsämLern Gesinnungen bekunden, die es den Staatsleitern erschweren werden, ein friedliches Zusammenarbeiten aller Kreise der Bevölkerung in ihrem Sinne zu ermöglichen. Die „Voss. Ztg." schreibt: „Die Vereine deutscher Studenten haben an den Ausschreitungen des Antisemitismus hervorragenden Anteil genommen. Herr Stöcker war ihr gefeierter Gast. Es wurden die leidenschaftlichsten Hetzreden gegen die Juden gehalten. In einer Schrift über Herrn Naumann wird berichtet, es werde in diese Vereine niemand ausgenommen, unter dessen Eltern oder Großeltern sich getaufte oder ungetaufte Juden befinden. Nichtsdestoweniger hat Herr Naumann noch vor wenigen Wochen erklärt, er rechne es sich zur Ehre an, diesen Vereinen anzugehören, er hege prinzipiell hohe Achtung für den Geist, in dem diese Vereine gegründet wurden. Und auch nachdem er gezwungen seinen Austritt erklärt hat, bezeichnet er den Verein deutscher Studenten als eine Vereinigung von Jünglingen und Männern, „die bis in den Ernst und die Tiefe der nationalen Probleme vorzudringen sich bemühen". Freilich fügt er hinzu: „So wenigstens habe ich den Verein ausgefaßt." Mag sein, daß Herr Naumann den Verein so aufgefaßt hat. Dann hat er sich eben von ihm ein Bild gemacht, das in schreiendem Gegensatz zu der Wirklichkeit stand". — Zwischen denNaumannschen „National- Sozialen" und den Christlich-Sozialen ist aber jedenfalls eine weit größere Kluft, als zwischen den „Christlich-Sozialen" und den „Deutsch-Sozialen", die von Liebermann von Sonnenberg unter das Protektorat der Agrarier und Tivoli-Konservativen gestellt und dadurch von der unter Zimmermannscher Führung stehenden „Deutschen Reformpartei" vollständig abgerückt sind. Diese hat den Fehdehandschuh dadurch ausgenommen, daß sie ihren diesjährigen Parteitag aus den 20. bis 22. Oktober in Kassel, also in dem von dem deutsch-sozialen Abg. Amtsgerichtsrat Lattmann vertretenen Reichstagswahlkreise anberaumte. Ob dieser Einbruch in fremde Jagdgründe den Reformern Glück bringen wird, ist zu bezweifeln. Die Wähler im Kasseler Kreise, die von dem Segen einer antisemitischen Vertretung im Reichstage nichts gespürt haben, dürften sich kaum dafür begeistern, wiederum einem Antisemiten, wenn auch anderer Färbung anheimzusallen.