Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 655 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. 655 achtung zu verfallen,^ ehrliche Menschen durch Verdächtigung oder Verleumdung um ihren Ruf zu bringen: diese ganze Verantwortung ist so groß, daß schon ein geringes Maß von Ehrgefühl und Gewissenhaftigkeit davor erbeben sollte. — Nichts ist leichter, als durch soziale Raketen die Menschen beunruhigen, den Neid wecken, den Haß anstacheln, die Sonderinteressen über das Vaterland Lriumphi ren zu lassen und die Lust am Umsturz zu schüren. Nichts ist verwerflicher. Man predige Reform, aber man predige sie in Frieden und auf dem Wege des Gesetzes.'" Am Schlüsse dieser „Wahrheiten", die aus dem Munde eines Stöckers tönend, von seinen antisemitischen Genossen als „Geschäftsschädigung" betrachtet oder belächelt werden dürften, empfiehlt Herr D. Stöcker den Schriftleitern und ihren Lesern: „ein reges Gewissen, ein gründliches Wissen und ein weites Herz." Kann er selbst zu seiner Rechtfertigung nur einen Schimmer von den drei wertvollen Besitztümern aufweisen, die er jetzt von andern verlangt? Fürchtet der fromme Mann nicht, daß seine eigenen Worte: „Das Volk krankt an diesem Giftstoffe, der es verdirbt und verdummt!" ihn vor Gott und der Welt anklagen werden? So weit wir ihn^kennen, wird er seine Meisterschaft darin bewähren, die Verantwortung für antisemitische Entgleisungen abzulehnen, die man nicht ohne allen Grund auf seinen Einfluß, auf die von ihm mündlich und schriftlich verbreiteten juöenfeindlichen Lehren zurückführt. Der zum Zweiten Direktor der preußischen Staatsarchive ernannte Geh. Archiv rat Op. Paul Bailleu hat kürzlich als erster Vorsitzender der Vereinigung der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine bei einem Kongresse in Wien sich über die „Journalisten" in einer Weise geäußert, die in der liberalen Presse einen wahren Sturm der Entrüstung erregt hat. Wer die politische Vergangenheit dieses Herrn kennt, auf die wir noch zurückkommen, für den ist es lange nicht so befremdlich, was er in Wien gesagt hat, wie daß ihn Stöcker schleunigst in aller Form abgelehnt hat. In den beiden Organen dieses „Hexenmeisters" wird von seinem „Zauberlehrling" berichtet: „Auf dem Festmahl des Deutschen Historikertages in Wien ist nämlich dem neuernannten zweiten Direktor der preußischen Staatsarchive, Geh. Archivrat Dr. Bailleu, eine recht bedauerliche Entgleisung passiert. In seiner Be-