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Im deutschen Reich · 1906-11-01 · Heft 11 (November 1906) · p. 654

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 11 (November 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-11-01
Page
654 (sequence 10)
Language
German
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854 Iw deutschen Reich. LrachL und Frieden verbunden sein, und keine Strömung der Zeit darf den einen oder andern Stamm in das Verderben, in den Abgrund Hinunterstoßen. Da ist es die Aufgabe des Steuermanns, der die Staatsflotte befehligt, der am Ruder des Staates steht, daß er alle seine Schiffe in einen sicheren Hafen führt. Und auch wir sind ein Stamm im Staate; denn das deutsche Vaterland besteht aus verschiedenen Stämmen und Nationalitäten. Sind wir auch ein abrahamitischer Stamm, so wohnen wir doch seit Jahrtausenden auf germanischem Boden und haben die gleichen Anrechte wie die andern Stämme. Aber wenn wir von der Brandung umtost werden, so blicken wir auf zu dem Steuermann, daß er unser Schiff führe durch die verderbliche Brandung in den Hafen, der Ruhe und Frieden bringt, daß er uns schütze, uns sichere vor Anfeindungen und Gefahren und Entwürdigungen." Die Warnung davor, ein Kaiserwort zu drehen oder zu deuteln, wird heutzutage am wenigsten beachtet von den judenfeindlichen Politikern, für die stets das Wort Goethes gilt: „Im Auslegen seid Ihr munter; legt Ihr nicht aus, so legt Ihr unter!" So sind auch gelegentliche kaiserliche Aeußerungen von dieser Seite reichlich interpretiert und nicht nur dazu benutzt worden, für die antisemitische Presse die Werbetrommel zu rühren, sondern auch dazu, für eine Einschränkung der Preßfreiheit Stimmung zu machen. In einem „Die schlechte Presse" überschriebenen Artikel der „Staatsbürger Ztg." ist dies in so ungeschickter Weise geschehen, daß jeder Unbefangene, der diesen Artikel liest, ihn fast für eine Selbstanklage, für ein Sündenbekenntnis halten muß; denn es ist doch wohl unvergessen, was in den Konitz-Prozessen und in einigen andern Gerichtsverhandlungen von Staatsanwälten und Richtern der „gewissenlosen Hetzpresse" in das Stammbuch geschrieben worden ist. Trifft es nicht gerade ihr nahestehende antisemitische Größen, wenn die „Staatsbürger - Ztg." klagt: „Und diese Presse ist frei. Hin und wieder ein Preßprozeß; das hindert nicht an der Freiheit, oft wirkt es sogar wie eine Reklame für das Blatt. Der Redakteur muß vielleicht in das Gefängnis gehen; seine Zeitung bleibt frei. — Die Verantwortlichkeit, falsche Ideen in Kurs zu bringen, Menschengeister mit unreifen Phrasen zu verwirren, durch Lügen oder Unwahrheiten einen Augenblick Auiieben m erregen, uw nachher der verdienten Ver-

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