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Im deutschen Reich · 1906-11-01 · Heft 11 (November 1906) · p. 653

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 11 (November 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-11-01
Page
653 (sequence 9)
Language
German
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Umschau. 653 Richtung sehen, mahnt uns jede Heimsuchung, daß das vom Sturm herabgewehteLaub dem kahlen Stamme neue Kräfte zuführt, die ihn im kommenden Lenz neuen Schmuck verleihen. Wo aber Menschen noch am Grabe die Hoffnung aufpflanzen, da ist für Schwarzseherei kein Raum. Wenn auch das leider der Jugend schon frühzeitig vielfach eingeimpfte antisemitische Gift dem jüdischen Nachwuchs manche bittere Stunden bereitere und in ihm nicht jene volle Hoffnungsfreudigkeit hat aufkommen lassen, die in älteren jüdischen Männern unverwüstlich lebt, deren Jugendzeit die des deutschen Völkerfrühlings war — wer sich als deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens fühlt, der wird auch zeigen, daß er sich zur Mitarbeit an der Wohlfahrt und Kultur des deutschen Volkes eignet, nicht ausscheiden will, wenn er auch zeitweilig Grund zum Mißmut hat, und sich kein besseres Land als das suchen will, in dem seine Wiege stand und in dem seine Voreltern ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Nur das fordern und erhoffen wir, daß wir Raum erhalten, alle unsere Fähigkeiten frei zu entfalten, und daß diese ebenso wie die unserer andersgläubigen Mitbürger zum Heil und Nutzen unseres Vaterlandes nutzbar gemacht werden. — Bei dem Festmahl, das aus Anlaß der Einweihung der neuen Synagoge in Osnabrück am 13. September veranstaltet wurde, sagte der Landrabbiner Dr. Löb-Emden in dem von ihm ausgebrachten Kaisertoast: „Einmütig wollen wir es aussprechen, daß wir nicht nur Juden sind, sondern auch deutsche Staatsbürger, wir wollen unsere Pflichten und unsere Rechte als deutsche Staatsbürger betonen. Fest einander verbunden sollen die Menschen, die Familien, die Stämme eines Volkes sein; der eine Mensch ist immer auf den andern angewiesen. Nicht so darf es sein, daß in der Strömungen Lauf einer sich von dem andern verliert, daß im Staatenleben einer von dem andern zurückgestoßen wird, daß die Strömungen, die Wellen den einen hochtragen und den andern verschlingen. Der Steuermann muß die Schiffe so leiten und führen, daß die Fahrt unversehrt und geschlossen aus der Strömung verlauft. Alle Schiffe, die seiner Obhut anvertraut sind, mutz der Großadmiral vor Fährnissen behüten. Auch das Staatsleben ist von Brandungen und Wogen umtobt. Es gibt verschiedene Strömungen, verschiedene Stämme 1^ C. r C *• » c . .. ~ *

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