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Im deutschen Reich · 1906-11-01 · Heft 11 (November 1906) · p. 651

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 11 (November 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-11-01
Page
651 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. 651 Charakter, Gesinnung, Fähigkeiten, überhaupt in jeder Hinsicht den strengsten Anforderungen genügen, die Amt und Stellung erfordern, aber daß sich unter der nach Hunderttausenden zählenden jüdischen Bevölkerung Preußens, die sich zum großen Teile hohe Bildung erworben hat, Männer befinden, die nicht nur den gestellten Anforderungen entsprechen, sondern vermöge ihrer Intelligenz im Staatsdienst Hervorragendes zu leisten vermöchten, beweisen die im freien Wettbewerb trotz des auch dort oft hemmenden Glaubensunterschiedes von Juden errungenen Stellungen. Einen Beweis für die Befähigung jüdischer Mitbürger Zum Staats- und Heeresdienst bietet schon die Tatsache, daß sich in ihm eine große Zahl von Männern bewährte, die im jüdischen Glauben groß geworden, ihn erst unter dem Zwang der Verhältnisse ablegten, uw ihren Neigungen und Anlagen gemäß wirken zu können. (Einsender führt für diese Sätze eine Reihe von Personalien an.) Welches Unrecht die grundsätzliche Nichtmehrbeförderung glaubenstreuer Juden — die iw Kriegsfälle ebenso ihr Leben einsetzen müssen wie ihre Kameraden — zu Reserveoffizieren darstellt — in den sechziger und siebziger Jahren kannte man diesen Grundsatz nicht —, läßt die vorurteilslose Betrachtung der Führung und der Leistungen der verhältnismäßig zahlreichen jüdischen Offiziere erkennen, welche sich gemäß offizieller Berichte in den Befreiungskriegen, auf den böhmischen Schlachtfeldern und 1870/71 auszeichneten und sich auf Frankreichs Boden das Eiserne Kreuz erkämpften. Alljährlich wird in Preußen eine ganze Reihe zum christlichen Glauben übergetretener Israeliten zu Offizieren und Reserveoffizieren befördert. Wie verträgt sich das mit der angeblichen Unfähigkeit der jüdischen Rasse für den Offiziersstand und der ebenfalls viel verbreiteten Meinung von der mangelnden Autorität? Weshalb wird der Konvertit Staatsanwalt, Landgerichtsdirektor, Regierungsassessor, Universitätsprofessor, Reserveoffizier, der noch so qualifizierte glaubenstreue jüdische Anwärter aber nicht? Sind es denn die Besseren, die im Interesse ihres Fortkommens einen Glaubenswechsel vornehmen, der in vielen Fällen — darüber kann bei keinem Einsichtigen ein Zweifel obwalten — rein äußerlicher Art ist? Und sind wirklich diejenigen weniger geeignet zu Amt und Würden, die das Mittel eines nicht zugleich innerlich empfundenen Glaubenswechsels verschmähen, um Karriere

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