Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 649 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 649 so vieles gewöhnt, daß uns dieser Fehlspruch nicht weiter überrascht, und wenn Herrn HerZfeld die Bescheinigung, ln pvneto Recht nicht- Zu wissen, was er Lut, lieb ist, so kanns uns recht fein." Auf diese höhnische Weise wird von antisemitischer Seite das Vertrauen zur Rechtspflege vollständig untergraben. Ist denn aber vergessen, daß der von den Antisemiten vergötterte erste Reichskanzler Fürst Bismarck damit völlig einverstanden war, daß der Jude Laster auf die Ausarbeitung der Justizgesetze einen hervorragenden Einfluß ausübte? Haben nicht früher in Preußen getaufte Juden den Generalsrang erlangt, ungetaufte als preußische Reserveoffiziere es bis zum Rittmeister gebracht, ohne daß das deutsche Heer an Tüchtigkeit und Ansehen irgendwelche Einbuße erlitten hat? Trotz dieser Tatsache veröffentlicht die auch in echt „antisemitische Schwarzseherei" verfallene „Deutsche Zeitung" eine angeblich aus Offizierskreisen stammende Zuschrift, in der die geplante Aenderung der Wahl der Reserveoffiziere durchaus abfällig beurteilt und gesagtwird: „Man bezweckt nicht etwa, ungeeignete Elemente vom Offizierkorps des Beurlaubtenstandes fernzuhalten, sondern Leuten, die dieses Korps nicht aufnehmen will, die Aufnahme zu ermöglichen. Dadurch aber würde das Offizierkorps des Beurlaubtenstandes in seinem Ansehen zweifellos finken .... Wenn man in Betracht zieht, wie ungemein weit der preußische Kriegsminister dem Vater des abgelehnten jüdischen Aspiranten entgegengekommen ist, wenn man erwägt, welche offensichtlichen Nachteile die Wahländerung mit sich bringt, und wie bedenklich sie begründet wird, so kann man sich des Gedankens nicht erwehren, daß sie ein Zugeständnis an gewisse politische Parteien sein soll. Die Reichsregierung scheut jeden Konflikt und will daher im Reichstage Anfragen über Offizierswahlen vermeiden. Dergleichen Vorgänge hatten wir ja unter der jetzigen Regierung leider schon mehrmals. Aber wir meinen, daß die Nachgiebigkeit wenigstens Halt wachen müßte vor Einrichtungen, auf denen die Vortrefflichkeit unseres Offizierkorps, die Güte unseres Heeres und die Sicherheit des Reiches beruht." Das sind nun immer wieder dieselben Mahnungen, mit der alle Rückschrittler, und zwar nicht nur die antisemitischen, kommen, wenn ein tat-