Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 648 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316751--15680-2337446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
648 Im deutschen Reich. der sich mit Juden umgeben hat. Welch schöne historische Aufgabe wäre das für einen Fürsten . . .!-:- — Warum hat es das Schicksal nicht gewollt, daß diese treuen Hoffnungen in Erfüllung gehen konnten . . . V Ueber jüdische „Verdrehungskunst" klagt dabei der weiter des Antisemiten-Moniteurs, während er in dieser Kunst sich selbst als Meister erweist — denn was ist denn eigentlich Großes geschehen, was Grund Zu solchen Kapuzinaden geben könnte? Weil ein von Juden abstammender Christ aus reiner Vaterlandsliebe eine höchst einträgliche Privatstellung aufgibt, um, dem Rufe des Monarchen folgend, die voraussichtlich dornenvolle Stellung eines Kolonialdirektors anzutreten, soll das Vaterland in Gefahr sein? Stand es am Rande des Abgrundes, als die Minister Friedberg, Friedenthal und Lucius als Ratgeber der Krone ihres Amtes walteten, als Simson viele Jahre hindurch die höchste richterliche Stellung in Deutschland einnahm? Das Organ des wahrlich nicht den Juden Zu Liebe kaltgestellten ehemaligen Hofpredigers jammert weiter: „Jst's schon vergessen, daß der neue preußische Justizminister seine Tätigkeit damit begann, daß er mehrere jüdische Richter an die Oberlandesgerichte versetzte, ja einem sogar am Kammergericht einen Platz verschaffte, ein Fall, der bisher einzig dastehen soll?! Mußte es ferner sein, daß ein jüdisch-zionistischer (?) Anw al t sogleich in die JustiZprüfungskommifsion berufen ward und auffällig viele jüdische Assessoren Amtsrichter wurden? Sollen solche Verhältnisse dazu Mitwirken, das Vertrauen zur Rechtspflege namentlich in den unteren Kreisen des Volkes Zu erhöhen?" — Die Gewissenhaftigkeit deutscher Richter hat bisher noch niemand angezweifelt, außer wenn einmal ein Antisemit eine wohlverdiente Strafe erlitten hat, die dann sofort als eine „von den Juden bejubelte" bezeichnet wurde. Als kürzlich der Berliner Rechtsanwalt und Reichstagsabgeordnete für Rostock-Doberan, Dr. H erzfeld, von der Anklage, seine Pflichten als Anwalt und damit die Würde des Amtes verletzt Zu haben, durch das Ehrengericht der Berliner Anwaltskammer glatt freigesprochen wurde und der Oberstaatsanwalt die Berufung gegen diesen Urteilsspruch nachträglich ZurückZog, schrieb das Antisemitenblatt: „Wir sind von der Berliner Anwaltskammer, in der das deutsche Element in der verschwindenden Minderheit ist (?), bereits an