Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 647 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 647 Er hat vor Jahrzehnten unter dem Decknamen „Th. Frey" Zahllose judenfeindliche Flugblätter, sowie den berüchtigten „Antisemiten-Katechismus" verfaßt, dann sich aber Jahre hindurch friedlich dem Müllergewerbe zugewandt, dies aber wahrscheinlich nicht so nahrhaft gefunden wie das Metier, harmlose „Müller und Schulze" an das antisemitische Narrenseil zu binden. In der vielleicht eigens zu diesem Zweck von ihm begründeten Zeitschrift „Hammer" schrieb er neuerdings: „Wie übel ist unser Kaiser beraten, wenn er von alledem nichts ahnt und wenn wir immer deutlicher das Verhängnis sich vollziehen sehen: die schrittweise Auslieferung der Reichsgewalt an die Juden. Noch immer will der treue Vaterlands- und Königssreund sich das Furchtbare nicht eingestehen, noch immer hält er die ernsten Mahnrufe einzelner für Schwarzseherei und Uebertreibungen; aber von Zeit zu Zeit belehren uns nüchterne Tatsachen, daß wir aus dem abschüssigen Wege schon viel weiter fortgeschritten sind, als wir ahnen. Hat niemand in des Kaisers Nähe den Mut und das Pflichtgefühl, dem Monarchen die Augen zu öffnen? Dann werden die Männer uw den Kaiser sich ein hartes Urteil von der Geschichte gefallen lassen müssen. Es würde zu weit führen, alle Jeremiaden wiederzugeben, die in sämtlichen antisemitischen Blättern aus keinem andern Grunde veröffentlicht wurden, als weil diese Politiker sich in der Erwartung getäuscht sahen, daß Kaiser Wilhelm II. ihrem Rassenhaß Konzessionen machen würde, die vom Kaiser Wilhelm I. nicht erlangt worden sind. In den beiden nahezu übereinstimmenden antisemitischen Organen „Staatsbürger-Zeitung" und „Reich", die die Meinungen Adolf Stöckers, der aus seinem Herzen wenigstens keine Mördergrube macht, an die Oeffentlichkeit bringen, wird dies offen zugegeben. Dort heißt es: „Noch vor kaum einem halbenMenschenalter schrieb ein nationalgesinnter Mann, der vomUnglück verfolgt, heute fern von derHeimat weilen muß: „Ich wüßte einen jungen Monarchen, welcher dazu berufen erscheint, die Führung in dem sich vorbereitenden Kampf zu übernehmen und die arischen Völker von der Herrschaft des Judentums zu befreien. Er müßte aber gewaltsam die Judenringe durchbrechen, die sich um seinen Thron gebildet haben und in denen er zugrunde gehen wird, wie jeder andere Monarch,