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Im deutschen Reich · 1906-11-01 · Heft 11 (November 1906) · p. 636

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 11 (November 1906)
Article
Das Schächten vor dem Forum der Tierschutzvereine
Date
1906-11-01
Page
636 (sequence 2)
Language
German
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636 Im deutschen Reich. unmittelbar nach Schluß der Diskussion zur Abstimmung zu bringen. Ein Wüster antisemitischer Agitator, der „Krrnstbuchhändler^ Adam aus Düsseldorf, welcher allein in gehässiger Weise in die Debatte eingegriffen hatte, stellte aber den offenbar vorher abgekarteten Antrag, die Abstimmung Zu verschieben. Inwieweit man hoffte, am nächsten Tage ohne die jüdischen, zum Teil aus weiter Ferne zugereisten und am Vorabende des Laubhüttenfestes stehenden Delegierten fertig zu werden, mag dahingestellt bleiben; offenbar rechnete man auf das nachträgliche Eintreffen schächtfeindlicher Delegierter oder solcher, welche eine bestimmte Meinung noch nicht gefaßt hatten, aber der Beeinflussung durch den Leiter der Agitation zugänglich sein sollten. Ueberhaupt sollte der Eindruck der Debatte, insbesondere der Reden katholischer und evangelischer Tierfreunde, welche Zurückhaltung in religiösen Dingen als unerläßliche Vorbedingung gemeinsamer Arbeit forderten, und vor allem des mächtigen Appells des vr. Hildesheimer, möglichst verwischt und der Tierschutz derart in den Vordergrund gestellt werden, daß das religiöse Gefühl hunderttausender deutscher Juden als eine nicht zu beachtende Nebensache erschiene. Die fein ersonnene Taktik blieb, nicht ohne Wirkung. Der Vertagungsantrag wurde angenommen, und als am nächsten Tage die trotz aller Schwierigkeiten in Nürnberg ausharrende kleine Schaar jüdischer Delegierter an der Abstimmung teilnahm, erlebte sie das Schauspiel, 4=3 Stimmen für das Schächtverbot, dagegen nur 30 Stimmen gezählt zu sehen, welche eine Ausnahme vom Betäubungszwange zugunsten des Schächtens zugestehen wollten. Es ist hiernach zu erwarten, daß die Tierschutzvereine in nächster Zeit mit diesem Votum an die Regierungen und Volksvertretungen der Einzelstaaten herantreten und das gesetzliche Verbot des Schächtens fordern werden. Unfern Freunden im Lande möchten wir raten, wo solche Bestrebungen hervortreten, folgendes entgegenzuhalten: Nur 77 Stimmen sind in Nürnberg überhaupt vertreten gewesen, nach all der aufwühlenden Tätigkeit des Herrn v. Schwartz, des Herrn Heiß und anderer Vorkämpfer der Bewegung eine kläglich kleine Zahl. Von einer Regung der Volksseele wird ohne Entstellung des wahren Sachverhalts nicht zu reden sein. Von jenen 77 Stimmen wäre die Mehrzahl 39 gewesen; nur

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