Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- Das Schächten vor dem Forum der Tierschutzvereine
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 635 (sequence 1)
- Language
- German
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635 Aas Schächten vor dem Jormn der Hierschnhvereine. feit Jahr und Tag arbeitet in den deutschen Tierschutzvereinen eine rührige Clique, teils offen, teils unter Verhüllung ihres judenfeindlichen Standpunkts, auf ein gesetzliches Verbot der rituellen jüdischen Schlachtmethode, des sogenannten Schächtens, hin. Seit Anfang dieses Jahres wurde, wie unfern Lesern bekannt, eine Unzahl von Druckschriften von dem Verbände der Deutschen Tierschutzvereine über das Reich verbreitet, um für die in den ersten Oktobertagen zu Nürnberg abgehaltene Versammlung der Tierschutzvereine die nötige Stimmung zu erregen, in welcher einePetition uwein gesetzlichesVerbot womöglich einstimmig beschlossen werden sollte. Der Lärm dieser skrupellosen und gehässigen Agitation weckte unsere Freunde im ganzen Reiche Zur Gegenwehr. Der alte bewährte Vorkämpfer unserer Abwehrbestrebungen auf diesem Gebiete, Dr. Hirsch Hildesheimer zu Berlin, leistete eine von durchdringender Sachkenntnis geleitete, von edler Begeisterung getragene und vor keiner Mühe und Arbeit zurückschreckende Gegenwehr, unterstützt von der Kommission, welche seitens des Centralvereins, des Rabbinerverbandes, des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes der deutschen Juden schon seit Jahren eingesetzt worden ist. Die von allen Seiten mit Spannung erwartete Schlacht wurde am 1. Oktober 1906 in Nürnberg geschlagen. Unter etwa 80 Delegierten der Tierschutzvereine waren auch einige jüdische Männer, mit einer unrühmlichen Ausnahme, alle entschlossen, die Ehre ihrer väterlichen Religion gegen den Vorwurf Zu verteidigen, als sei in ihrem Namen seit Jahrtausenden grausame Tierquälerei getrieben worden. Der Mißerfolg einer früheren Agitation hatte die Schächtgegner veranlaßt, nicht den Reichstag als Adresse für die Petition auf Verbot des betäubungslosen Schlachtens auszuersehen, sondern die Einzelregierungen. Gefordert wurde ausnahmslose Betäubung des Schlachtviehs vor dem Schlachtakte. Nach den uns vorliegenden Berichten war der Eindruck der im allgemeinen sachlich geführten Beratung ein derartiger, daß die Schächtgegner nicht wagten, ihren Antrag