Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- Das Schächten vor dem Forum der Tierschutzvereine
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 637 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Schächten vor dem Forum der Tierschutzvereine. 637 4 Stimmen über die absolute Majorität haben sich für das Schächtverbot erklärt. Eine kleine Zufallsmehrheit kann nicht ausreichen, Gewissenszwang gegen unsere Brüder zu üben, welchen die Schächtvorschrift als Religionsgebot heilig ist. Dabei ist es noch überaus fraglich, ob die Einzelstaaten zum Erlaß von Schächtverboten zuständig sind. Man begründet das Verbot mit Rücksichten auf den Tierschutz, und weiß nicht oder will nicht wissen, daß nach den Gutachten der hervorragendsten Sachverständigen das Schächten die humanste Schlachtart ist. Die Materie des Tierschutzes, die gegen die Tierquälerei gerichtete, durch Strafandrohung gekennzeichnete Rechtsnorm steht im Reichs- Strafgesetzbuch. Hieraus folgt nach bekanntem staatsrechtlichem und strafrechtlichem Prinzip, daß die Einzelstaaten sich mit dieser Materie, welche der Gesetzgebung des Reiches Vorbehalten ist, nicht zu befassen haben. Die Nürnberger 43 Tierfreunde, welche sich als die sittlich höchststehenden Personen des Reiches bei ihrem Votum angesehen haben mögen, und den 60 Millionen Deutschen ihre Meinung gesetzlich aufzwingen möchten, haben sich also weder um die Religion ihrer jüdischen Mitbürger noch um die Verfassung des deutschen Reiches besondere Skrupel gemacht. Wenn man uns entgegenhalten sollte, daß hinter den 43 Delegierten Lausende von Mitgliedern der Tierschutzvereine stehen, so möchten wir diese Legende gleich von vornherein gründlich zerstören. Um von dem größten Verein, dem Berliner „Deutschen Tierschutzvereint als Beispiel zu reden, so haben seine Mitglieder von der Auswahl der Delegierten und von deren Abstimmung überhaupt nichts gewußt. Sind wir richtig unterrichtet, so hat selbst der Vorstand die Delegierten in keiner Weise darüber instruiert, wie sie in Nürnberg stimmen sollten. An die zahlreichen jüdischen Mitglieder dieses Berliner Vereins und anderer großer Vereine, wie in Köln und München, ergeht daher an dieser Stelle die Bitte, uns ihre Namen und Adressen recht bald mitzuteilen, damit wir mit ihnen Maßnahmen beraten, welche sie ihrer Religion und ihrer Ehre nach diesem Nürnberger Vorgehen schuldig sind. Zeit, Interesse und nicht zum wenigsten auch namhafte materielle Mittel opfern jahraus jahrein tausende jüdischer Tierfreunde in den großen Städten solchen Vereinen, welche dann