Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- Die Juden in Südafrika
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 633 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Juden in Südafrika. 633 Auch in Deutsch-Südwestafrika regt sich jüdisches Leben: am letzten Versöhnungstage fand bereits der erste jüdische Gottesdienst in Swakopwund statt. Die Gründung einer Gemeinde ist mithin nur eine Frage der Zeit. * Zur Vervollständigung dieses Ueberblicks über die Hauptereignisse in der Geschichte der südafrikanischen Juden müssen wir noch eine Statistik der jüdischen Bevölkerung in den verschiedenen Kolonien geben. Mit absoluter Genauigkeit läßt sich das nicht tun, da die Beantwortung der Frage nach dem Religionsbekenntnis auf den Volkszählungspapieren nicht obligatorisch ist und außerdem viele Juden sich als moderne Marannen auszuspielen scheinen. In der Kapkolonie wohnen annähernd 20 000 Juden, in Natal 1700, in der Oranjefluß-Kolonie 1600, in Rhodesia 600, auf portugiesischem Gebiete 300 und in Transvaal etwa 25000. Alles in allem leben somit 50 000 Juden in Südafrika, also eine größere Zahl, als die jüdische Bevölkerung von Italien und Belgien oder von Kanada und Australien zusammengenommen. Ist sich die südafrikanische Judenheit der Stellung bewußt, die sie unter den Israeliten der ganzen Welt einnimmt? Bis jetzt kann diese Frage in bejahendem Sinne nicht beantwortet werden. Freilich muß bis zu einem gewissen Grade zugegeben werden, daß das jüdische Gemeindeleben in Südafrika nicht nur extensiv, sondern namentlich intensiv erstarkt ist. Das ist zum Teil der zionistischen Bewegung zu danken, welche vom Kap bis zum Zambesi 65 Vereinigungen hat und sich bereits zu einer südafrikanischen zionistischen Gesamtorganisation zusammenschloß. Die Vermischung mit der übrigen Bevölkerung durch Heirat — die in früheren Jahren in beängstigender Weise an der Tagesordnung war — nimmt allmählich ab. Die jüdisch-religiöse Erziehung, die in ihrem jetzigen Zustande sehr viel zu wünschen übrig läßt, ist das Hauptdiskussionsthema in jedem jüdischen Zentrum. Man vergesse nicht, daß diese jüdischen Gemeinden auf südafrikanischem Boden sich noch im Stadium ihres ersten Wachstums befinden; sie verdienen daher weder das Eigenlob, das sie sich in reichem Maße spenden, noch den Spott mißgünstiger Kritiker, mit dem sie ebenso reichlich bedacht werden. Hin und wieder erscheinen auch abstoßende Seiten des Gemeindelebens auf der Vildflache: Meinungsverschiedenheiten und Eifersüchteleien