Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- Die Juden in Südafrika
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 634 (sequence 8)
- Language
- German
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634 Im deutschen Reich kommen vor, — doch sind alle diese Dinge auch in älteren Gemeinden nicht unbekannt! Leider haben die kurzen und oft unrühmlichen Debüts verschiedener jüdischer Zeitungen, sowie die parteiischen Korrespondenzen in Londoner Wochenschriften die öffentliche Meinung über alle diese Dinge nicht immer in günstigem Sinne beeinflußt. Trotzdem mehren sich allenthalben die Anzeichen einer moralischen und religiösen Wiedergeburt und des ernsthaften Verlangens nach gemeinsamer, planvoller Tätigkeit. Als beispielsweise der Vurenkrieg als Vermächtnis eine Reihe von Vorurteilen gegen die ärmeren russischen Juden hinterlassen und ihre Einwanderung als unerwünscht hatte erscheinen lassen, da haben die verschiedensten jüdischen Organisationen, auch die Zionistischen, die Naturalisation und Anglisierung aller fremden Juden eifrig betrieben und versucht, alle falschen, ungerechtfertigten Vorurteile gegen diese zu entkräften. So ergab es sich beispielsweise in der Eröffnungssitzung des jüdischen Wohltätigkeitsverbandes für Transvaal und Natal (28. Juli 1903), bei der Lord Milner eine bedeutende Rede hielt, daß nach behördlichen Mitteilungen die allgemein verbreitete Ansicht, die Juden stellen ein besonders hohes Kontingent Zu den Uebertretern des Schankgewerbegesetzes, irrig ist, da der Anteil der Juden an Verfehlungen dieser Art in Wirklichkeit nur 50/0 beträgt. Ebenso hat der Wohltätigkeitskongreß für das Kapland, der im folgenden Jahre unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Morris Alexander in Kapstadt stattfand, ein außerordentlich gutes Werk getan, indem er bei der Kapregieruna die Anerkennung des „Jiddisch" als europäische Sprache durchsetzte; bekanntlich darf ohne Kenntnis einer solchen kein Einwanderer den südafrikanischen Boden betreten. Zwar hat bisher keine von den gegen die Juden gerichteten Bewegungen die auf sie gesetzten Hoffnungen erfüllt, doch liegen genug Beweise dafür vor, daß die Juden in Südafrika mit ihrer gegenwärtigen Lage noch nicht zufrieden sind und daß die Zahl derjenigen südafrikanischen Juden noch im Wachsen begriffen ist, die da behaupten: solange einer von uns noch unfrei ist, ist keiner von uns frei. Schon dies Bewußtsein birgt die Möglichkeit einer besseren Zukunft in sich. Mit Gottes Hilfe wird uns einst eine schönere Zukunft erblühen, — wir wollen jedenfalls das Unfrige dazu tun!