Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- Die Juden in Südafrika
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 629 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Juden in Südafrika. 629 Vryheid haben Juden bereits vor dem Zulukriege gelebt und an der Gründung der ^Neuen Republik" teilgenommen. Im Oranje-Freistaat haben sich die Juden angesiedelt, als dessen weiße Bevölkerung noch nicht viel über 4=000 Seelen betrug. Jsaac Baumann (geb. 1813) kam 1837 nach Graaff- Heinet und siedelte 1817 nach Bloemsontein über. Er und Martin Pincus waren lange Zeit die angesehensten Kaufleute im Oranje-Freistaat. Nach der Errichtung des Oranje-Freistaats im Jahre 1855 waren vierzig Jahre hindurch ein bis zwei deutsch-jüdische Familien, zumeist aus Hessen, fast in jedem Weiler zu finden; sie hatten im Oranje-Freistaat den größten Teil des Handels in Händen. Am Versöhnungstage 1871 fand zum ersten Male Festgottesdienst in Mr. Baumanns Hause statt; im nämlichen Jahre erfolgte zugleich das erste jüdische Leichenbegängnis. Die Gemeinde zu Bloemfontein konstituierte sich 1887; eine schöne Synagoge wurde im März 1901 in Gegenwart des Generalgouverneurs, des Exekutiven Rats und der Justizbehörden der Kolonie feierlich eingeweiht. Seit 1905 besitzt die Oranjefluß-Kolonie noch eine zweite Synagoge, und zwar in Kroonstad. Trotz ihrer geringen Anzahl haben die Juden im Oranje-Freistaat von Anfang an eine beneidenswerte Stellung eingenommen. Jsaac Baumann war Direktor der Nationalbank und zweimal Bürgermeister von Bloemfontein. Der Name M. Leviseurs, eines Veteranen aus dem Basuto-Kriege (1861—66), ist mit dem Landesmuseum und dem Volkshospital von ihrer Gründung an eng verbunden; W. Ehrlich ist zweiter Bürgermeister von Bloemfontein, Präsident der Handelskammer, Mitglied des Eisenbahnrates und Vorsteher der Synagogengemeinde. Gustav Vaumann war Verwaltungsdirektor des staatlichen Grundbesitzes unter dem Präsidenten Steijn. Die jüdische Bevölkerung von Bloemfontein beträgt nahezu 800 Seelen. In Transvaal, iw Gebiete jenseits des Vaal, lebten vor den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts nur wenige Juden. M. de Vries, ein Jude von Geburt, war Staatsanwalt (1868), Mitglied des Volksraad (1871), Präsident dieser Körperschaft während der Tagung des Jahres 1872, schließlich Abgeordneter für Middelburg (1875). Bei der Ratifizierung des Vertrages mit Portugal (1869) sprach ihm der Präsident der Republik den Dank der Regierung für seine Verdienste um dessen Zustandekommen aus. Daniel M. Kisch (geb. 1810, gest. 1898)