Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-10-01
- Page
- 596 (sequence 11)
- Language
- German
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596 Iw deutschen Reich. arbeiten wußte als sie alle, Bernhard Dernburg soll der Bahnbrecher des neuen Kurses sein! Es wird nun schöner mit jedem Tag: jetzt weiß man, was es noch werden mag." Dem Organ Stöckers sekundiert das des Expastors Krösell „Mittelstand" mit den Worten: „Wir gestehen offen, daß das Mißtrauen, das uns beseelt, durch nichts mehr überdoten werden kann. Und dieses Mißtrauen wird auch dadurch nicht beseitigt, daß Herrn Dernburg von mütterlicher Seite ein Quantum deutschen Blutes innewohnen soll. Solche „Quanten" mögen andere Leute versöhnlich stimmen — uns nicht." Je straffer die Agrarier, Pietisten und Antisemiten die Sehnen spannen, desto eher bewahrheitet sich das Wort: „Es wird nun schöner mit jedem Tag!" Dies vorausahnend, haben die Führer des katholischen Zentrums auf dem Essener Katholikentage so einmütig sich gegen jeden Rassen- und Klasseuhaß ausgesprochen, daß man sich wieder in den Sommer des Jahres 1869 zurückversetzt glaubte, in dem das Zentrum die „Lex Wiggers" ermöglichte, die beinahe eine „Lex Windthorst" genannt zu werden verdiente. Jetzt nach 37 Jahren erklärte in Essen der Abg. de Witt-Köln: „Wir verwerfen den Staat des 17. und 18. Jahrhunderts mit seinem staatlichen Absolutismus und seinem Gewissenszwang. Wir verwerfen den mittelalterlichen Grundsatz: „Cujus regio, ejus religio'/' Wir verlangen den paritätischen Rechtsstaat und dessen volle Konsequenzen. (Stürmischer Beifall.) Wir verlangen den Rechtsstaat, wir verlangen, daß der religiösen Betätigung keine gesetzlichen Schranken aezogen werden. Wir verwerfen den konfessionellen Kampf. Wir wollen mit allen Andersgläubigen in Frieden leben." Wenn der eifrige Katholik mit den Worten Friedrich des Großen schloß: „Jeder kann nach seiner Fasson selig werden," so ist dies nicht zu bekritteln, denn der große Preußenkönig hat die katholischen Jesuiten niemals für die schlimmsten gehalten. Wie dem auch sei; es ist entweder als eine großartige Wendung zum Guten, oder mindestens als eine überraschend sympathische Kundgebung aufzufassen, daß in Essen ein Jesuitenpater, Prof. Dr. S eiler-Feldkirch, seine Rede über die soziale Frage mit den Worten schloß: „Es kann nur dann besser werden, wenn Gott der Herr zwei Engel aus die Erde schickt: die Justitia und die Charitas. Wenn alle Stände von Gerechtigkeit und wahrer Nächstenliebe