Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-10-01
- Page
- 595 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 595 Begriffen fehlte nur noch die Verleihung eines hohen preußischen Ordens an Herrn Riva, dem in Italien trotz seiner jüdischen Konfession das Portefeuille des Unterrichtsministeriums anvertraut wurde, um die deutschen Antisemiten toll Zu machen und Herrn Ministerial-Direktor Dr. Schwartzkopff die Empfindung der „dringendsten Notfälle" Leizubringen, in der er ausschließlich die Beschäftigung jüdischer Volksschullehrer zuzulaffen erklärt hat. Die agrarische „Deutsche Tageszeitung" äußert sich fast noch grimmiger als die „Kreuzzeitung". Dies hat wohl seinen Grund darin, daß trotz ihrer von der „Täglichen Rundschau" unterstützten Bemühungen, die durch die Affäre Tippelskirch stark erschütterte Stellung des Ministers von Podbielski als wieder befestigt hinzustellen, die offiziöse Presse erklärte, in der für den Minister ungünstigen Sachlage habe sich nichts geändert: „Dem Minister sei nicht der dienstliche Befehl erteilt worden, seine Beziehungen Zur Firma Tippelskirch zu lösen". In der sicheren Voraussetzung, daß kein Nachfolger dieses Ministers so erfolgreich wie dieser den Gutsbesitzern zur glänzenden Verwertung aller landwirtschaftlichen Erzeugnisse verhelfen würde, sucht das Organ des Bundes der Landwirte sein Ansehen dadurch wieder Zu erhöhen, daß es die korrekte Handlungsweise des Kolonialdirektors Dernburg verspottet, der vor der Uebernahme des Amtes nicht nur auf die einträglichsten Verwaltungsratsstellen verzichtete, sondern seinen ganzen Aktienbesitz veräußerte, um sich als völlig unbeeinflußt von materiellen Interessen seinem neuen Amte widmen Zu können. Dazu bemerkt die „Deutsche Tageszeitung": „Es ist wohl anzunehmen, daß er an Stelle dieser Dividendenpapiere Staatspapiere erwerben wird, und man darf daher wohl in den nächsten Tagen eine Auswärtsbewegung der Kurse dieser Papiere erwarten." Mit derselben antisemitischen Dreistigkeit äußert sich „die Staatsbürger-Zeitung": „Wir wollen Bernhard Dernburgs Taten abwarten, aber wir versprechen, aus Vorposten zu stehen. Der Geburts- und Verdienstadel ist aus dem besten Wege, durch den Geldadel abgelöst zu werden, und Bernhard Dernburg, der nur deshalb in den Kreisen der Börsenleute einer ..gewissen Abneigung" begegnet, weil er noch rücksichtsloser und darum erfolgreicheren