Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-10-01
- Page
- 597 (sequence 12)
- Language
- German
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Umschau. 597 durchdrungen find und nicht bloß im Auge haben, was uns trennt, sondern was uns eint, dann wird mir Gottes Hilfe die soziale Frage eine friedliche und für alle glückliche Lösung erfahren." Wer daran schuld ist, wenn es nicht besser wird, wer alles daran setzt, den konfessionellen Frieden zu verhindern, das ergibt sich aus einem unverfälschten Herzenserguß des Abg. Krösell, der in seinem Bericht über den Essener Katholikentag mit plumper Offenheit gesagt hat, was die meisten seiner Gesinnungsgenossen denken: „Daß einer der Redner, Prof. Einig-Trier, Katholiken, Protestanten und Juden zum Zusammengehen aufforderte, da Gott in Gefahr sei, möge nur deshalb Erwähnung finden, weil es eine in der Ekstase geschehene Entgleisung der Ueüertoleranz ist. Redner bemerkte auch gleich sich verbessernd: „Doch nein, nicht Gott ist in Gefahr; sondern ohne Gott sind wir in Gefahr!" Hätte er ferner in seinen Einigungsruf die Juden nicht mit einbegriffen, so könnte es Leute geben, die diesen Ruf ernst nehmen." Nun, wir nehmen diesen Ruf ernst, nicht zum mindesten deshalb, weil die tüchtigen Politiker des Zentrums recht gut wissen, daß ihre paritätischen Wünsche nur dann vollständig erfüllt werden können, wenn gleichzeitig mit der schmalkaldischen Losung: „Cujus regio, ejus religio“ auch mit der von einem getauften Juden erfundenen Formel vom „Christlichen Staat" gebrochen wird, mit der die „Kreuz-Zeitungs"-Männer doch nur das „protestantische" Kaisertum anstreben, in dem die Katholiken ebenso wie die Juden nur „geduldete Gäste" sein würden. Die Zentrumsführer sind kluge,zielbewußte Herren; das hat sich schon bei der zweiten Beratung des Reichshaushalts-Etats gezeigt, als die Abgeordneten Roeren und de Witt am 31. März d. I. verlangten, daß künftig die Wahl der Reserve-Offiziere durch das Offizierkorps des Truppenteils, dem der Offizier- Aspirant angehörte, vorgenommen werden solle. Der Abgeordnete Roeren wollte die Wahl sogar ausschließlich der Entscheidung des Regiments-Kommandeurs überlassen, und der Abgeordnete de Witt kam am 26. Mai d. I. bei der dritten Etatsoeratung nochmals auf diesen Gegenstand völlig in dem Sinne zurück, in dem sich bereits vor Jahren der verstorbene Zentrumsführer Dr. Lieber darüber ausgesprochen hat. An demselben Tage gab der Kriegsminister von Einem die Erklärung ab, die Frage