Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-10-01
- Page
- 594 (sequence 9)
- Language
- German
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0tf4 IM deutschen Reich. Preußen die Fähigkeiten „ungetanster Juden" für den Staatsdienst nutzbar Zu machen. Die „Kreuz-Zeitung" har sich auch deshalb anläßlich der Ernennung des Bankdirektors Bernhard Dernburg zum Kolonialdirertor nicht ganz auf den Standpunkt der andern judenfeind'Lichen Blätter gestellt, deren Wutgeheul „Juda triumphiert!" jeden Unbefangenen überzeugen wußte, daß die monarchische Gesinnungstünche der Antisemiten stets sofort abbrockelt, wenn der Monarch sich untersteht, seiner „von Vorurteilen unbestochenen" Gesinnung folgend, Männer heranzuziehen, die kein Sertifikat von Stöcker und Konsorten beibringen können. Aber die „Kreuz-Zeitung" gestattete sich die untertänigst an die höchste Stelle gerichtete „Drohung": „Herr Dernburg ist jüdischer Abstammung, der erste, vom Fürsten Bismarck berufene Kolonialdirektor Kayser war es auch. Daß er noch dem Judentum augehört, ist nach unseren Informationen nicht anzunehmeu; sollte es gleichwohl der Fall sein, so würde die Angelegenheit allerdings eine prinzipielle Bedeutung gewinnen, auf die Zurückzukommen wäre." Bezüglich der Exzellenz Dernburg kann das glaubenseifrige Blatt ganz ruhig sein; der neue Kolonialdirektor ist nie Jude gewesen; und daß seine Vorfahren es gewesen sind, berechtigt uns so wenig Zum Jubel über seine Ernennung als es die Antisemiten berechtigen würde, den „Judenstämmling" uns wieder zuzurechnen, wenn es ihm nicht gelingen sollte, einen von den Schützlingen einer aristokratischen Clique gründlich verfahrenen Karren aus dem Sumpfe zu Ziehen. Die Gehässigkeiten, die sich der neue Kolonialdirekror gefallen lassen muß, richten sich übrigens nur zum Teil gegen seine Person, weit mehr aber gegen den Monarchen, dem es die Antisemiten fühlbar machen wollen, daß sie es als eine Beleidigung ihrer Majestät betrachtet haben, daß Se. Majestät den jüdischen italienischen Schatzminister Luigi Luzzaii durch Verleihung des - Großkreuzes des Roten Adlerordens und auch den ungetansten Direktor Ballin wiederholt in hervorragender Weise ehrte. Kürzlich wurde auch der Zorn der antisemitischen Musterzeitschrift, des „Bayerischen Vaterlandes", dadurch erregt, daß der Kaiser gleichzeitig mit dem amerikanischen Botschafter Tower auch den „amerikanischen Finanzjuden" Speyer zur Frühstückstafel zog. Nach antisemitischen