Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-10-01
- Page
- 587 (sequence 2)
- Language
- German
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umjcgau. DÖY andern gebracht. Wäre er berufen gewesen, den ersten Enkel unseres Kaiserpaares Zu taufen, so hätte er es kaum mit einer Verheißung getan, die „über Abrahams Leben leuchtete", denn ihm selbst lag jener Wunsch fern, allen Mitmenschen ein Segen Zu sein. Seine Kampfnatur hatte ihn nicht nur dazu geführt, durch „Scheiterhaufenbriese" und politische Kämpfe Unfrieden zu säen, sondern auch eine Ehre darin Zu suchen, als „Vater des Antisemitismus" eine Bewegung hervorzurufen und Zu unterhalten, die als „Schmach des 19. Jahrhunderts" einen Teil der christüchenBevölkerung verrohte und den jüdischen Bürgern Deutschlands Zahllose Kümmernisse Zusügte. Im 71. Lebensjahre stehend, wirbt er heute noch immer um den traurigen Herostrat-Ruhm, den Tempel der allgemeinen Menschenliebe zu Zerstören; denn er sucht neuerdings die unseligen Wirren in Rußland dazu Zu benutzen, neuen Haß gegen die Juden Zu entfachen, die er, ohne irgend einen Nachweis für die Richtigkeit einer solchen Behauptung, beschuldigt, „zur Revolution Zu hetzen". In einem „Sedan" überschriebenen Leitartikel der „Staatsbürger-Zeitung" sagte Stöcker wörtlich: „Ist es doch unzweifelhaft (?) festgestellt, daß das jüdische Element, das allerdings in Rußland übel genug behandelt ist, der russischen Revolution in hervorragendem Maße die Verführer stellt. Freilich bei der geistigen Herrschaft, die das Judentum durch eine Art von Hypnose über die christliche Welt ausübt, läßt sich jener Charakterzug auch in den russischen Angelegenheiten begreifen. Man denke doch nur an den Dreysusschen Handel. Ich Zweifle nicht, daß dieser französische jüdische Offizier unschuldig ist. Aber in unzähligen Fällen werden unschuldige Menschen zu Unrecht verurteilt, und keine Zeitung regt sich darüber aus. Höchstens wird, wenn die Unschuld an das Licht kommt, eine kurze Notiz gebracht. Als ich in der Witteschen Sache zuerst unrecht verurteilt war, — was doch verständige Menschen, die den Personen nahe standen, wissen mußten, — jauchzte die gesamte schlechte Presse laut auf; ja zwei freikonservative Landtagsabgeordnete erließen einen Aufruf zu Geldsammlungen für den vermeintlich Beleidigten- Als ich aber zuletzt in dem Prozeß siegte, brachten viele Zeitungen nicht einmal die Notiz darüber. So geht es einem deutschen Christen. Aber über einen französischen Juden widerhallt die ganze europäische Presse Jahre hindurch von unheimlichem Lärm. Solche Tröpfe sind die liberalen Redakteure