Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- Adolf Bartels Heinebuch
- Date
- 1906-09-01
- Page
- 553 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316749-2337162--15543-2337241- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vermischtes. 553 lichen Annahmen und voreiligen Schlußfolgerungen stattfindet, die geradezu unerhört ist. Ja, ich leugne als ehrlicher Mensch, der nicht minder warm für das Wohl des deutschen Volkes fühlt als Adolf Bartels, daß durch dieses Buch überhaupt eine Klärung in der allgemeinen Beurteilung des Menschen und des Dichters Heinrich Heine herbeigeführt werden kann, und ich protestiere dabei auf das entschiedenste gegen die Anmaßung des Verfassers, die ein so haßerfülltes, einseitiges und durchaus ungerechtes Vorgehen in den Mantel einer nationalen Pflichterfüllung hüllt. Auch ich bin kein Freund der zum großen Teil künstlich gemachten Bewegung Zugunsten eines Heine - Denkmals, auch ich finde die Aufrufe, die in jüngster Zeit an das gesamte „deutsche Volk", an alle „deutschen Mädchen" und „deutschen Frauen" zu diesem Zweck erlassen wurden, nicht nur schlecht stilisiert, sondern auch maßlos übertrieben und phrasenhaft. Aber trotzdem sträubt sich wein Gerechtigkeitsgefühl gegen die Anerkennung einer Abwehr dieser Uebertreibungen, die ihrerseits selbst wieder zum mindesten eine maßlose Uebertreibung nach der andern Seite hin darstellt. Und ebenso sehr fühlt sich mein ästhetisches Gefühl oerletzt durch den schulmeisterlichen Ton, in dem der Literaturhistoriker Bartels feine Kritiken und Rügen über das Werk eines Dichters austeilt, als gälte es, die deutschen Stilübungen eines Obertertianers zu korrigieren." Dr. Bulle sagt am Schluffe des ohne jede Vorliebe für Heinrich Heine, völlig objektiv gehaltenen Artikels: „Ein Leser, der an selbständiges Urteilen gewöhnt und dabei genügend in Heines schriftstellerischem Werke bewandert ist, wird gewahr werden, daß diese Darstellung höchst einseitig ist, daß in ihr gerade das Wertvolle und Bleibende der Heineschen Prosa mit Absicht verhüllt wird. Von dem feinen Zauber des Heineschen Stils, seiner unübertrefsbaren Grazie und dem siegreichen Witz dieses Geistes hat dieser Literaturhistoriker entweder nie einen Hauch verspürt, oder er hält es für klug und seinem Zwecke entsprechend, davon zu schweigen. Mit dem nichtssagenden Schlagworte: „jüdischer Feuilletonist" glaubt er einen unserer eigenartigsten Prosaschriftsteller aus dem Gebiete der deutschen Literatur hinausweisen zu dürfen, nachdem er vorher seine Persönlichkeit mit dem ganzen Nichtoerstehen oder Nichtverstehenwollen eines wüsten Fanatismus in den Kot gezerrt hat. Und das nennt sich beutzutage Literaturgeschichtschreibung. Nein, gegen eine solche Kampfesweise müssen auch jene pro-