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Im deutschen Reich · 1906-09-01 · Heft 9 (September 1906) · p. 552

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 9 (September 1906)
Article
Adolf Bartels Heinebuch
Date
1906-09-01
Page
552 (sequence 2)
Language
German
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552 Im deutschen Reich. lustigen Literatur-Historiker Adolf Bartels in Weimar gegen den Strich geht. Ebenso wie der Dichterruhm des Verfassers der antisemitischen Bilderbogen - Texte, Max Bewer, nur auf die antisemitische Reklame Zurückzuführen sein dürfte, dankt es Bartels wohl in der Hauptsache nur seinen guten Freunden, wenn er unter den Literatur-Historikern genannt wird. Durch sein neuestes Werk „Heinrich Heine, auch ein Denkmal" hat Bartels sich keineswegs um die Literatur, wohl aber um die antisemitische Bewegung neue Verdienste erworben. Deshalb wurde in einer großen Anzahl judenfeindlicher Blätter, in der „Deutschen Zeitung", der „Deutschen TagesZeitung", den „DeutschsoZialen Blättern", der „Staatsbürger-Zeitung", in Stöckers „Reich" u. a. m. für den „großen" Adolf Bartels und sein „Heinebuch" die Trommel gerührt und jeder Kritiker verketzert, der nicht dem Werke Beifall zollte, in dem bewiesen werden sollte, daß Heinrich Heine gar kein Dichter, sondern nur ein Sudler gewesen sei. Daß in freiheitlich gesinnten Blättern dem „Heinebuch" Bartels nur die Bedeutung einer „antisemitischen Orgie" Zugeschrieben wurde, daß die Münchener „Jugend" das Erscheinen des Buches mit einem satirischen Gedicht „Heinrich an Adolf" begrüßte, hat den „antisemitischen Literatur-Historiker" in Weimar und seine politischen Gesinnungsgenossen bei weitem nicht so tief erregt, als der in der Münchener „Allgemeinen Zeitung" erschienene, bei der strengsten Sachlichkeit äußerst scharf gehaltene Artikel „Heine- Denkmäler". In diesem Artikel rechnet der Herausgeber des angesehenen Blattes, Di-. Adolf Bulle, gründlich mit Herrn Adolf Bartels ab: er Zitiert in der Einleitung des Artikels Bartels Worte: „Für uns Deutsche wäre das Heine-Denkmal, iw Namen des deutschen Volkes errichtet, die ärgste Beschimpfung, die man uns antun kann, Schmach und weiter nichts als Schmach? Das leugne ein ehrlicher Mensch, wenn er dies mein Buch gelesen hat!" — und antwortet darauf: „Nun, ich habe das Buch gelesen; ich bin ein ehrlicher Mensch, und ich leugne es. Ich leugne es vor allem, weil das Bartelssche Buch in seiner ganzen Anlage wie in tausend Einzelheiten der Ausführung den Charakter eines Pamphlets an sich trägt, weil der Beweis, den der Verfasser zu geben verspricht, weder literarhistorisch noch ästhetisch mit der gebührenden Gewissenhaftigkeit geführt ist, weil in seiner leidenschaftlichen Darstellung eine Vermengung von ganzen und halben Wahrheiten, durchaus Willkür-

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