Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-09-01
- Page
- 535 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 585 reichende Bedeutung verschafft hatte. Aehnlich verhält es sich mit der ebenfalls auf einen schweren JustiZirrtum hindeutenden Hilsner-Affäre, die, jetzt einmal auf die Tagesordnung gebracht, kaum wieder von dieser verschwinden wird, ohne durch einen Revisionsprozeß eine andere Lösung zu finden, als die bisherige, den Antisemiten aller Länder behagende. Weil diese eine solche Wendung befürchten, eifern sie bereits wieder über die „Solidarität des Judentums, die abermals ein unschuldiges Opfer jüdischen Glaubens aus dem Kerker zu befreien strebt". Wenn auch außerhalb der schwarz-gelben Grenzpfähle das Schicksal des im Polrra- Prozeß Verurteilten Interesse erregt, kommt dies nur daher, daß die Art, wie der verblendete Judenhaß die Rechtspflege stets zu schädigen pflegt, eine internationale Gefahr darstellt, die jeden Freund von Recht und Gerechtigkeit mit Sorge erfüllen muß. Sie sollte aber die österreichischen Staatsbürger der verschiedensten Glaubensbekenntnisse besonders dazu anregen, weitere Einmischungsversuche von Leuten wie Bergani, Ernest Schneider u. a. m. in schwebende Prozesse unmöglich Zu machen. Dazu ermutigt ein von dem bekannten Schriftsteller Max Nord au in der Wiener „Neuen Freien Presse" veröffentlichter Artikel, in dem gesagt wird: „Glaubt man, es hat sich in Oesterreich kein Zola gefunden, um zu rufen: „Ich klage an!" Er ist aufgestanden und hat angeklagt. Er war nicht weltberühmt, wie der Verfasser der „Rougon-Macquarts"; seine Stimme hatte nicht den gewaltigen Klang von Auferstehungsposaunen, sondern war dünn und schwach; seine Anklage fand keine „Aurore", die sie in hunderttausenden Abdrücken verbreitete, und keine Presse beider Welten, um sie über das Erdenrund zu tragen; sie wurde überhaupt in keiner Zeitung ausgenommen, sondern dürftig in einigen Dutzend Abzügen hektographiert und aufs Geratewohl einer Anzahl Personen zugesendet, auf die sie Eindruck machen sollte. Aber der Mann war da und hat seine Heldentat getan, wie Zola. Es war Dr. Bulowa, ein kleiner armer Arzt in den Weinbergen bei Prag, wie Zola kein Jude, sondern Christ, der, einzig von dem Gewissen eines wahrheitsliebenden, Ungerechtigkeit hassenden Menschen gedrängt, ganz allein den Kamps mit dem Drachen aufnahm. Drei Jahre lang hat er ihn unerschrocken