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Im deutschen Reich · 1906-09-01 · Heft 9 (September 1906) · p. 534

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 9 (September 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-09-01
Page
534 (sequence 9)
Language
German
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534 Im deutschen Reich. auch jeder Versuch, den russischen Juden durch eine Intervention auswärtiger Mächte Schutz gegen neue Massacres zu verschaffen, sich als unmöglich erweisen. Eine Abordnung der „Alliance israelite universelle" hat vergeblich an den französischen Minister Bourgeois die Aufforderung gerichtet, nach Odessa Kriegsschiffe zu senden, die flüchtige Juden aufnehmen und unter französischen Schutz stellen könnten. Das Präsidium der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und jenes der israelitischen Allianz zu Wien haben am 22. Juli d. I. an den österreichischen Minister des Aeußeren Grafen Goluchowski eine Eingabe gerichtet, in welcher angesichts der erschütternden Nachrichten über die Judenmassaeres in Rußland die Bitte ausgesprochen wird, die österreichische Regierung wöge im Verein mit andern Mächten bei der russischen Regierung intervenieren, damit den GreueltaLen gegen die Juden ein Ende gemacht werde. Bekanntlich ist eine gleiche Eingabe, die im Dezember v. I. von den Vertretern von 427 Kultusgemeinden an den Grafen Goluchowski gerichtet wurde, völlig wirkungslos geblieben. In der am 2. August in Marstrand stattgehabten Unterredung eines Mitarbeiters der „Frankfurter Zeitung" mit dem König von Schweden, dem der offene Brief des Rabbiners Dr. Münz an die regierenden Häupter gegen die Judenmetzeleien in Rußland überreicht worden war, erklärte der König, er bedaure die Pogrome, könne aber persönlich nichts dagegen tun. Schweden müsse auf dem exponierten Posten gegenüber Rußland sehr vorsichtig sein; er müsse alles seiner Regierung überlassen, glaube aber, daß sich die Metzeleien nicht wiederholen würden. Die Unterstützungen, die den Hinterbliebenen der Opfer der Pogrome in Südrußland gewährt werden, insbesondere die Unterbringung Zahlreicher Waisen, und die geplante weitere Kolonisierung der russischen Auswanderer durch die „I. C. A." haben gezeigt, worauf sich zunächst die Teilnahme des Auslands beschränken muß; aber dabei soll sich, wie stets auf den Gebieten der Barmherzigkeit, die „Solidarität des Judentums" bewähren, der die Antisemiten auch in politischer Beziehung aus böser Absicht eine weit übertriebene Bedeutung zuschreiben. Dazu hat ihnen die erfreuliche Erledigung der Dreyfus- Sache einen sehr ergibigen Stoff geliefert, weil der „internationale Antisemitismus" durch seinen unversöhnlichen Judenhaß dieser Sache eine weit über die Grenzen Frankreichs hinaus-

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