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Im deutschen Reich · 1906-09-01 · Heft 9 (September 1906) · p. 509

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 9 (September 1906)
Article
Antisemitenmoral und Vaterlandsliebe!
Date
1906-09-01
Page
509 (sequence 15)
Language
German
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Antisemiterrrnoral und Vaterlandsliebe. 509 Nach der nochmaligen Verurteilung des vielgeprüften Dreyfus, ließ die „Staatsbürger Zeitung" einen Artikel los, indem sie durch die widersinnige Ausflucht eines Verrats an Rußland auf die unhaltbar gewordene Beschuldigung eines Verrats an Deutschland mit den perfiden Worten verzichtete: „Für uns ist die Verurteilung und die Zubilligung milderner Umstände eine Bestätigung unseres Urteils über diesen edlen Juden, das dahin ging, daß er spioniert hat, zwar nicht für Deutschland, sondern für ein anderes, Frankreich viel näher stehendes Reich. Als wir die Erklärung im „Reichsanzeiger" lasen, wußten wir sofort, daß die Dreysuspresse sie benutzen würde, um den jüdischen Verräter als unschuldig erscheinen zu lassen, und leider leistete die Form der Erklärung diesem Treiben ja Vorschub. Das war ja eben die Perfidie der ganzen Treibereien, daß die Sache so gedreht wurde, als müsse Dreyfus für Deutschland spioniert haben oder, wenn das nicht nachzuweisen war, überhaupt rein Spion gewesen sein." Nach der Begnadigung durch Soubet schrieb das Blatt am 2). Sept. 1899: „So wird der Handel zwischen der Regierung und dem Syndikat abgeschlossen; die Regierung ist aus der Augst heraus, die ihr ein neuer Prozeß mit den schließlich doch unabwendbaren Enthüllungen über die Spionage Dreyfus' mit Rußland verursachte, und die Juden haben ihren geliebten Stammesbruder wieder. Daß die Zurückziehung der Revision von feiten Drenfus' ba§ offene Eingeständnis seiner Schuld bedeutet, brauchen wir nicht erst zu erörtern. Wenn Dreyfus sich unschuldig fühlte, hätte er diese Ausflucht nie benutzt, hätte auch die Judeuwelt Liese Blamage nicht Zugelaffen. Denn eine Blamage ohnegleichen ist diese „Begnadigung". Den Gipfel antisemitischer Verbissenheit erklomm iw September 1899 das „Bayerische Vaterland" mit einem Epilog, den die Magdeburger „Sachsenschau" mit der Behauptung abdruckte, daß damit der Nagel auf den Kops getroffen sei. In diesem „vernagelten" Artikel wurde gesagt: „Was ist denn eigentlich die sogenannte „Dreysus-Assäre?" Die Sache liegt doch so einfach, daß ein Mensch, der seiner fünf Sinne auch nur halbwegs mächtig ist, sicherlich keines weiteren Kommentars mehr bedarf, sie ist doch wahrlich klar genug! Ein Mensch, ein Jude, ein sittenloser Spieler und Schuldenmacher wird durch die namenlose Borniertheit seiner Vorgesetzten Hauptmann im

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