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Im deutschen Reich · 1906-09-01 · Heft 9 (September 1906) · p. 497

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 9 (September 1906)
Article
Antisemitenmoral und Vaterlandsliebe!
Date
1906-09-01
Page
497 (sequence 3)
Language
German
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AntisewiLenmoral uttb Vaterlandsliebe. 497 Auslände, den geschworenen Feinden des Vaterlandes, wehr Glauben schenkte als unserer eigenen Regierung. Daß der Antisemitismus in Wirklichkeit vaterlandslos und international ist, während die antisemitische Presse beständig von einem „internationalen Judentum" fabelt, ist längst bewiesen. Haben doch die Ritualmordprediger in Könitz für die Punkt für Punkt der Polnaer-Affäre nachgeforwte „Winter-Tragödie" das Konzept von ihren czechischen Freunden erhalten; wurden doch Herausgeber czechischerBlütter,die am schlimmsten gegenDeutschland hetzen, nach München geholt, um dort den ^Antisemitismus Zu fördern; bilden doch noch heute die deutschfeindlichsten Organe in Frankreich, Rußland usw., wie die „Libre parole" \xnh die „Nowoje Wremja", die Weisheitsquellen der deutschen Antisemitenblätter! Erst als diese auf das Hochverräterische der Behauptung, Drepfus habe militärische Geheimnisse an Deutschland verkauft, gufmerksam gemacht wurden, kamen sie auf die Ausflucht, er werde sie wohl nicht an Deutschland, sondern an Rußland verraten haben. Davon ist aber niemals im Laufe des Prozesses die Rede gewesen; es erschien auch ausgeschlossen, da Rußland als Freund und Verbündeter Frankreichs dort nichts auszuspionieren hatte und jederzeit ohne Vermittelung eines Spions alles in Paris erfahren hätte, was es iw militärischen Interesse zu erfahren wünschen konnte. Als bereits aller Welt klar war, daß die zweite Verurteilung Drepfus' nur erfolgte, um hohe militärische Kreise Frankreichs nicht bloßzustellen, überbot die deutsche Antisemitenpresse die Blätter der französischen Revisionsgegner noch immer in Schmähungen des unglücklichen Opfers und stellte seine Annahme der ihm aufgezwungenen Begnadigung als Eingeständnis seiner Schuld dar. Und als es Zur Revision kam, legte sie ihm Mangel an Vaterlandsliebe Zur Last und meinte, er hätte still die Schande weiter tragen sollen, um nicht seine militärischen Vorgesetzten, bezw. die Verbrecher, welche der Heeresleitung angehört hatten, bloßzustellen. Alle Unparteiischen in der ganzen Welt haben anders geurteilt; das Ende des Drerzfus-Prozesses hat Frankreich keineswegs geschädigt, sondern ihm die Achtung aller Kulturvölker wieder erworben. Da ist nichts vertuscht, nichts beschönigt, sondern es ist durch Freilegung der Wunde die vollständige Heilung ermöglicht worden. Deshalb sollen aber auch die Fehler nicht bemäntelt werden, die in

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