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Im deutschen Reich · 1906-09-01 · Heft 9 (September 1906) · p. 498

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 9 (September 1906)
Article
Antisemitenmoral und Vaterlandsliebe!
Date
1906-09-01
Page
498 (sequence 4)
Language
German
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498 Im deutschen Reich. Deutschland bei der Dreyfus-Affäre begangen worden sind; sie sind ausschließlich dem Antisemitismus zuzuschreiben, der nicht nur die „Schmach des 19. Jahrhunderts" war, sondern auch die „des 20. Jahrhunderts" ist, von der unser Vaterland nur befreit werden kann, wenn es klar erkennt, wohin diese unheilvolle Bewegung führt, und wer sie in Fluß hält. Zu dieser Erkenntnis wag nachstehende Blütenlese der antisemitischen Presse zur Dreyfus-AngelegenheiL beitragen: Als im Jahre 1897 der Senator Sch e urer-Kestner dem Krregsminister Billot schriftliche Beweise für die Unschuld des drei Jahre vorher nach der Teufelsinsel verbannten Hauptmanns Dreyfus vorlegte, und einzelne Blätter sich seiner Sache annahmen, schrieb das „Bayerische Vaterland": „Die Judenblätter in der ganzen Welt treten seit Jahr und Tag für die Befreiung des wegen Hochverrats verurteilten jüdischen Hauvtwanns Dreyfus ein. Broschüren werden geschrieben, und die ersten Männer wie Senator Scheurer treten für die Unschuld des Dreyfus ein. Aber der jetzige wie der frühere Minister bleiben kalt bis ans Herz hinan, weisen das Geschrei als eine Judenmache zurück und erklären, daß Dreyfus mit Recht auf Grund sicherer Beweise, welche aber aus diplomatischen Gründen nicht veröffentlicht werden können, überführt und verurteilt wurde. Es könne nicht einmal von einer Strafwinderung oder Begnadigung, geschweige denn von einer Wiederaufnahme des Verfahrens die Rede sein. Wie man glaubt, ist Dreyfus auf Grund eines Briefes verurteilt worden, den er an eine fremde (die deutsche) Botschaft geschrieben hat. Der Brief soll auf eine bis jetzt unaufgeklärte Weise abgefangen und dem Kriegsminister Mer ei er zugestellt worden sein. Die Judenblätter erklären den Brief für gefälscht.. Es wundert uns, daß sie den Dreyfus nicht für verrückt erklären. Das ist ja heutzutage ein beliebtes Auskunftsmittel. Das ganze Treiben beweist die gefährliche Macht der „.Alliance Israelite", au) deren Wink alles, was jüdisch heißt, sich in Positur setzt und mitheult Wäre Dreyfus kein Jude, würde kein Hahn nach ihm krähen." Eine Reihe deutscher antisemitischer Blätter, u. a. der „Heidelberger Volksbote", verbreiteten bald darauf einen Pariser Bericht des judenfeindlichen Wiener „Deutschen Volksblattes", in dem gesagt wurde: „Seit der Verurteilung des Verräters Dreyfus scheinen seine Freunde und seine Familie den

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