Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Berlin
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 470 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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470 Im deutschen Reich. anlassen.-Der Minister kennt die jüdische Rasse mit ihren Eigentümlichkeiten ganz genau; er hat sie ja mit ihrem Treiben tagtäglich in Berlin vor Augen. Er hätte daher die Ausweisungen unbedingt mit der Schädlichkeit der Juden an sich begründen müssen und nicht zugeben dürfen, daß die Polizeibehörden Mißgriffe dabei begangen hätten, da Mißgriffe ausgeschlossen sind.-Besonders in den letzten Jahren scheint mancher hohe Beamte zu glauben, seine Laufbahn mit einer Verbeugung vor dem Judentum beginnen und mit einer solchen Verbeugung beenden Zu müssen. Wenn ein Jude glaubt auf den Fuß getreten worden zu sein, dann vibriert die preußische Staatsmaschine bis in ihre äußersten Spitzen. Weil der deutsche Jude die Interessen seines Volkes durch Ausweisung einer Anzahl russischer Schnorrer verletzt glaubt, befiehlt der preußische Minister des Innern schleunigst die Polizeipräsidenten von Berlin und Schöneberg zu sich, empfängt er eiligst die Vertreter jüdischer Vereinigungen und erstattet sogar dem Kanzler des Deutschen Reiches Vortrag! Beklagt sich dagegen ein Deutscher über die Vernachlässigung der Interessen seines Volkes, dann erhält er keine Antwort, oder er läuft Gefahr, als Bierbankpolitiker bezeichnet Zu werden. Als der Reichstagsabgeordnete Zimmerwann bei den Reichstags- Verhandlungen über den deutsch-russischen Handelsvertrag die Befürchtung aussprach, daß sein Abschluß die Gefahr einer Judeninvasion vergrößere, fand es Fürst Bülow nicht für nötig, darauf zu antworten; wohl aber hat bei denselben Verhandlungen derselbe Fürst Bülow wiederholt darauf hingewiesen, welche Vorteile der neue Vertrag den deutsch-jüdischen Handlungsreisenden brächte. Unbedingte Pflicht der Reichstags- und Landtagsabgeordneten, die die jüdische Gefahr erkannt haben, und der wahrhaft nationalen Presse ist es, immer und immer wieder die Schließung der Grenzen zu verlangen und das schwächliche Verhalten der deutschen Regierungen gegenüber den ausländischen Juden zwar sachlich aber rücksichtslos zu kritisieren." — So kanzelt der antisemitische Schriftsteller den deutschen Reichskanzler und den preußischen Minister des Innern ab. Was den Schluß seiner Philippika betrifft, sind die" Antisemiten uns in der „Rücksichtslosigkeit" bereits genügend über, „sachlich" zu sein, scheint ihnen aber unmöglich. Wenn man in der Ausweisungsfrage sachlichen Erwägungen Gehör scheu-