Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 467 (sequence 14)
- Language
- German
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Umschau 467 quantitativ nnb qualitativ zusammengeschwolzenen Anhangs der Antisemiten strengster Observanz vielleicht ihn selbst. Ein Teil der antisemitischen Presse hat es aber herausgefühlt, daß die verminderte Bedeutung des ehrgeizigen Oberbürgermeisters weiteren Kreisen dadurch klargestellt wurde, daß der deutsche Kaiser ihn bei seinem Besuch in Wien keines Blickes würdigte, während er einzelne Angehörige der von Lueger beständig angefeindeten ungarischen Nation, insbesondere den ungarischen Ministerpräsidenten Wekerle, auffallend auszeichnete. Die Wiener „Deutsche Zeitung" war kühn genug in einem „Nachruf zum Besuche Wilhelms II" der Verstimmung des antisemitischen Wieners über die Behandlung Luegers scharfen Ausdruck zu verleihen und zu erklären, der hohe Gast habe dem deutsch-österreichischen Bündnis nicht genützt, indem er die Empfindungen alter Freunde verletzte und „sich zu den antimagparischen und antisemitischen Kreisen der Monarchie in Gegensatz stellte." Die Anhänger Luegers haben bewiesen, daß ihm nicht zu viel geschehen ist, weil sein Ungarhaß der mit dem Deutschen Reich verbündeten österreichischen Regierung beständig Verlegenheiten bereitet. Nach einer von ihm im Wiener Rathause gehaltenen Volksversammlungsrede demonstrierten im Juni zahlreiche Teilnehmer seiner Versammlung in verletzendster Weise vor dem ungarischen Ministerpalais, in dem die ungarische Delegation ihre Sitzung abhielt. Der österreichische Ministerpräsident Freiherr v. Beck hat darauf dem ungarischen Ministerpräsidenten Wekerle sofort sein Bedauern über den Vorfall ausgesprochen, und der Wiener Bürgermeister hat sich wohl oder übel entschließen müssen, die unerhörten Vorgänge vor dem ungarischen Hause öffentlich zu bedauern. Die „N. Fr. Presse" ging danach mit dem „schönen Karl" scharf ins Gericht und schrieb: „Der Bürgermeister hat durch die Kunst, durch die er den Ungarhaß mit dem Judenhaß in einen Brei verrührt, für die nötige Würze der sonst ziemlich trockenen Ausgleichsfragen gesorgt. Er hat, wie man zu sagen pflegt, tüchtig eingeheizt. Daß es ihm darum zu tun war, jedes Mißverständnis bei seinen Anhängern zu beseitigen, spricht die in der Versammlung beantragte Resolution ausdrücklich davon, daß Ungarn unter jüdischem Kommando stehe. In keiner Stadt der Welt dürfte der Bürgermeister eine solche Gewaltsamkeit gegen den religiösen Frieden wagen. Nach solchen Resolutionen müssen