Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1906-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1906) · p. 466

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-07-01
Page
466 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316740-2316748--15398-2337107
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

466 Im deutschen Sletctj. der sächsischen Mittelstands-Bereinigung veranlaßt worden, grundsätzlich keine Politik zu treiben. Das Magdeburger Blatt sagt: „Wer ein Programm aufstellt und durch Wort und Schrift, durch Sammlung von Anhängern durchzusetzen versucht, gründet eine Partei und treibt auch Parteipolitik. Die Mittelständler sollten den deutschen Michel doch nicht für naiver halten, als er wirklich ist." Das Erbteil der deutsch-sozialen Reformpartei anzutreten, wird sich aber die sächsische Mittelstands-. Vereinigung hüten, weil diese Partei in der letzten Zeit kaum noch etwas besaß und nur noch von den gnädigen Spenden der Konservativen sich fortfristete, denen der Mittelstand längst seine alte Liebe wieder zugewandt hat. Ob er dabei viel besser fahren wird als bei den Reformern, ist aber auch noch fraglich. Die Dresdner „Deutsche Wacht", das 1893 mit einem großen Kapital gegründete Zentralorgan der Reformpartei, mußte am 30. Juni d. Js. ihr Erscheinen einstellen und sagte in dem Abschiedsartikel u. a.: „Als sich erwies, daß die antisemitische Bewegung nicht im Sturme zum Siege zu führen sei, sondern in ausdauernder mühe- und opfervoller Arbeit ihre Existenzberechtigung erst zu beweisen habe . . . begannen jene vom Kampfplatze zu verschwinden, die ihr erhofftes Ziel schon erreicht hatten, oder den Kampf gegen die Waffen des Gegners nicht ertragen konnten, und Tausende der Kleingläubigen und Schwachen und Mutlosen gingen mit ihnen... Einst schrieb der Führer der Reformpartei in einem Rundschreiben an seine Getreuen: „Mit der „Deutschen Wacht" steht und fällt die reformerische Bewegung in Sachsen." — Der Mantel ist gefallen, nun muß der Herzog nach! Vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, wo auch in Oesterreich die antisemitische Bewegung in ähnlicher Weise zurückgeht, weil auch dort der Mittelstand zu der Einsicht gelangt, daß die ihm von den „christlich-sozialen" Führern gemachten Versprechungen unerfüllt geblieben sind, oder soweit sie erfüllt wurden, sich als keine Besserung der Lage der Gewerbetreibenden erwiesen haben. Die Bewunderung des antisemitischen Volkstribunen Dr. Karl Lueger ist nach wie vor in Wien vorhanden, aber sie erstreckt sich bei weitem nicht mehr auf so große Kreise wie vorher und täuscht nur durch den immer lärmvoller sich gestaltenden Jubel des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.