Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 468 (sequence 15)
- Language
- German
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468 Im deutschen Reich. Demonstrationen stattfinden, denn schon der Wortlaut ist gesprochener und gedruckter Friedensbruch." Uw die dabei erlittene Scharte wieder auszuwetzen, kam Lueger auf die kühne Idee, einen Alexanderzug in das Land zu unternehmen, wo man für seinen mit Judenhaß verbrämten Ungarhaß besseres Verständnis hat, als in Oesterreich, eine Fahrt nach Rumänien. In Bukarest, wo man die Magyaren haßt, weil die in Ungarn lebenden zahlreichen Rumänen sich bedrückt fühlen, und wo ein Minister sofort in eine unhaltbare Stellung gerät, wenn er sich anschickt, die traurige Lage der in Rumänien wohnenden Juden irgendwie zu erleichtern, durste Karl Lueger hoffen, seinen etwas verblaßten Nimbus wieder herzustellen. Er und sein Begleiter sind auch in Bukarest enthusiastisch begrüßt worden, und der König von Rumänien soll den Bürgermeister Lueger und den Wiener Magistratsdirektor Di*. Weiskirchner in einer fünfviertel Stunden währenden Audienz empfangen haben. Nicht geringere Triumphe brachte dem Bürgermeister und seinen Reisegefährten das Festmahl, das ihnen die Bukarester Stadtvertretung bereitete. Bei der Rückkehr nach Wien wurde den modernen Argonauten wieder von dem antisemitischen Anhang eine großartige Huldigung gewidmet, aber das goldene Vließ hat Lueger kaum aus Bukarest zurückgebracht, denn die österreichische Regierung kann ihm dafür kaum dankbar sein, daß er den Ausgleich mit Ungarn durch seine Rumänien-Umwerbung nur noch erschwert hat. Das Ziel seines Ehrgeizes, einen österreichischen Mimsterposten, wird er unter dem Kaiser Franz Joseph nie erreichen. Wenn aber der Berliner Antisemit Wilhelm Bruhn seine Hoffnungen auf einen neugeborenen Hohenzollernprinzen setzt, kann man verstehen, daß der Wiener Antisemit Lueger seinen Anhang beständig auf den österreichischen Thronfolger verweist, den die österreichischen Antisemiten, alias , Christlich - Sozialen", als ihren Mann ansehen zu dürfen glauben. Sie werden sich verrechnen; mit dem Umschmeicheln der Thronfolger haben die Antisemiten noch nie Glück gehabt. Kaiser Franz Joseph wird hoffentlich noch die Freude erleben, den^Wiener Oberbürgermeister, der ihm aufgedrungen worden ist und der ihm seitdem durch sein Dewagogentum so vielen Aerger bereitet hat, eines Tages mit einem gnädigen Handschreiben ^und einer hohen Auszeichnung seines Dienstes huldvoll zu entbinden. A. L.