Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 465 (sequence 12)
- Language
- German
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Umschau. 465 „Am Sonnabend begeht die hiesige Bau-, Maurer- Zimmerer- und Brunnenbaumeister-Jnnung zu Pyritz die Feier ihres Quartals. Diese Feste werden seit Bestehen der Innung gemeinschaftlich von den Meistern und Gesellen gefeiert und veranstaltet. Da Sie bei derartigen Veranstaltungen bisher fast immer Gelegenheit genommen haben, solche Feste mit ihrer Gegenwart auszuzeichnen und diese auch politisch auszunützen pflegen, so teile ich Ihnen im voraus mit, daß sowohl Sie, als auch die Vertreter Ihres Blattes zu dieser Jnnungsseier keinen Zutritt erhalten, andernfalls Sie uns zwingen würden, von dem uns zustehenden Hausrechte Gebrauch zu machen." Uebrigens ergeht es andern antisemitischen Parlamentariern, die sich auch mit der „Mittelstandsretterei" befaßt haben, kaum besser, weil sie ebenso bei dem Stimmenfang den Gewerbetreibenden Versprechungen gemacht haben, zu deren Erfüllung sie gar nicht in der Lage waren. Bei dem in Essen abgehaltenen 33. Deutschen Gastwirtstage äußerte sich das Ehrenmitglied E. Wiese-Berlin scharf über die Mehrbelastung der Wirte durch die Brausteuer und sagte dann: „Bei den kommenden Wahlen müssen wir für eine Mittelstandspolitik sorgen, wie wir sie uns denken und nicht eine „staatserhaltende Mittelstandspolitik" nach der Art des Abgeordneten Pauli, der versprach, für den Mittelstand sein möglichstes zu tun, der aber für die Steuer stimmte. Also 1908 alle Mann zur Wahl und nur die Stimme einem Kandidaten, der wirklich ein Herz für den Mittelstand hat." Fischer-Berlin sprach dann sämtlichen Abgeordneten, ohne Unterschied der Partei, welche gegen die Brausteuer gestimmt haben, den Dank der Gastwirte aus. Der Abg. Pauli habe sich von ihm im Spatenbräu über die Steuer informieren lassen und zwei Tage nachher doch für die Brausteuer gestimmt; er sei deshalb gegen die Mittelstandsvereinigung. Von dieser Stimmung offenbar beeinflußt, fühlte sich der anwesende Abg. Fröhlich-Potsdaw zu dem Eingeständnis veranlaßt, da die alten Parteien rückständig seien und die Mittelstandsbewegung noch in den Kinderschuhen, müsse der Mittelstand sich auf sich selbst stützen. Zu einer weit schärferen Kritik der Mittelstandsbewegung ist die antisemitische „Sachsenschau" durch die Erklärung