Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 464 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316748--15396-2337105- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
464 Im deutschen Reich. kam es zur Stichwahl zwischen demdeutsch-sozialenKandidaten Herzog und dem Sozialdemokraten Vetterlein und zum Siege Herzogs. Auch in der durch das Hinscheiden Eugen Richters erforderlich gewordenen Ersatzwahl im Reichstagswahlkreise Hagen-Schwelm ist bei der Hauptwahl keine Entscheidung erfolgt. Bei der Stichwahl zwischen dem Kandidaten der freisinnigen Volkspartei, Bürgermeister Cuno und dem Sozialdemokraten, Arbeitersekretär König, drang Cuno durch. Die Agitation war auch in diesem Wahlkreise eine sehr lebhafte, aber doch keine so wüste, wie im Kreise Rinteln-Hofgeismar. Die in den letzteren Kreisen versuchten Wahlmanöver erinnern unwillkürlich an eine charakteristische Äußerung des Antisemiten Böckler, der bei seiner Bewerbung um das Mandat des Wahlkreises Schlochau-Flatow nach der Behauptung des nationalliberalen Parteisekretärs Dr. Kipper die später von Böckler heftig bestrittene Aeußerung getan haben sollte: „Wählt mich, dann wird der Schnaps billiger!" Zur Entschuldigung dieser Aeußerung soll dann Böckler auf dem Schlochauer Landratsamt gesagt haben: „Ja, das wacht man so bei den Wahlen!" Das in dem von Krösell vertretenen Wahlkreise Pyritz-Saatzig erscheinende KreisblaLL gab hierzu folgende allerliebste Ergänzung: „Wirklich ein köstliches Eingeständnis, das der Mit-und Nachwelt nicht vorenthalten werden darf! Und wenn mans wirklich so bei Wahlen macht, dann ist es schließlich auch zu erklären, daß man in einem Jahre — wie der Abg. Krösell im Jahre 1905 — 1072 Bittgesuche erhält." Von diesen Versprechungen scheinen nicht viele erfüllt worden zu sein, da gegen eine Wiederwahl Krösells schon jetzt von seinen früheren Gönnern mit Dampfkraft gearbeitet wird. In seinem Organ „Mittelstand" wehrt sich Krösell seit Monaten in erbitterter Weise besonders gegen den konservativen Gymnasialdirektor Dr. Peter Wehrmann, der ihm im „Pyritzer Kreisblatt" Antworten erteilte, die zum größten Aerger Krösells zum Teil selbst in der agrarisch-antisemitischen „Deutschen Tageszeitung" Aufnahme gefunden haben. Er mußte es auch erleben, daß ihm, der sich zum Wortführer des „Mittelstandes" berufen glaubte, aus diesem Kreise eine kränkende Absage zuging. Er hat nämlich von dem Obermeister einer Pyritzer Innung ein Schreiben erhalten, das nach der „Ostsee-Ztg." lautete: