Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1906-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1906) · p. 463

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-07-01
Page
463 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316740-2316748--15395-2337104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 463 In der „Freien Deutschen Presse" wurde am 18. Juli unter der Überschrift „Antisemitische Bübereien" daraus hingewiesen, daß im Reichstagswahlkreis Rinteln-Hofgeismar die bereits von uns im "Briefkasten des vorigen Heftes dieser Zeitschrift gebrandmarkte antisemitische Persifflage „Eine Lanze für Max Reinhard" von antisemitischen Sendboten dazu benutzt wurde, harmlose Wähler gegen die Juden aufzureizen und in das Netz der Agitatoren zu treiben, die das durch den Tod Reventlows erledigte Mandat wieder für einen Antisemiten zu ergattern bestrebt waren. In dem Machwerk, das im Konkurrenz-Interesse eines Berliner Theaterdirektors verfaßt und unter falscher Flagge mit der Überschrift Dr. Moritz Kohn vertrieben worden ist, finden sich zahlreiche Behauptungen, wie z. B., daß die Juden sich damit brüsten, „heute herrsche der früher kaum geduldete jüdische Geist". Selbst die antisemitische „Staatsbürger Zeitung" konnte beim Abdruck dieses Machwerks den „Verdacht" nicht unterdrücken, „daß ein Antisemit diese Zeilen schrieb". Die „Freie Deutsche Presse" bemerkt hierzu: „Ein Antisemit wagt dadurch, daß er sein Pamphlet mit dem Namen Dr. Moritz Kohn unterzeichnet, den falschen Anschein wachzurusen, als rühre es von einem Juden her. Solche Handlungsweise steht auf der Höhe des moralischen Niveaus der antisemitischen Kampfesweise. Diese geht darauf aus, die politischen Brunnenvergiftungen, die die antisemitische Presse Tag für Tag gewerbsmäßig begeht, auf das Konto der Juden zu setzen. Selbstverständlich macht man mit solchen Streichen keinen Eindruck in Kreisen, welche die Vergangenheit der antisemitischen Presse kennen, aber in einem Wahlkreise, welcher, abgesehen von den Reichstagswahlen, von den politischen Parteikämpfen verschont bleibt, mag doch hier und da die plumpe Fälschung Erfolg haben, die von antisemitischen Hetzaposteln in so bubenhafter Manier versucht wird. Deshalb kann aus derartige Schurkereien, wie sie jetzt im Wahlkreise Rinteln-Hofgeismar verübt werden, gar nicht scharf genug hingewiefen werden." Das Ergebnis der Hauptwahl konnte nicht überraschen, weil der Kandidat den deutsch-sozialen Partei von einem Landrat als den der konservativen Partei willkommensten bezeichnet wurde, auch Geistliche und Vertreter der Ortsbehörden nicht nur dem liberalen sondern auch dem antisemitischen Gegenkandidaten H e l m e r i ch entgegentraten. Dadurch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.