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Im deutschen Reich · 1906-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1906) · p. 462

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-07-01
Page
462 (sequence 9)
Language
German
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462 Im deutschen Reich. Der Verlauf der ganzen Angelegenheit Zeigt, wie berechtigt dieser Vorwurf war, und ihm ist der weitere hinzuzufügen, daß man bei der Vollstreckung der gegen den Grafen Pückler erkannten Strafen mit einer ganz besonderen Schonung vorgeht, die uns aus Zwei Gründen unangebracht erscheint: einmal deswegen, weil sie in den weitesten Kreisen unseres Volkes den Anschein erwecken wird, als ob man auf einen Verurteilten aus aristokratischen Kreisen mehr Rücksicht nähme, als die Gleichheit vor dem Gesetze erlaubt, und ferner, weil der rede- und radaulustige Graf seinen Unfug ungeschwächt fortsetzen wird, so lange es ihm so leicht gemacht wird, die Folgen seiner Hetzreden zu tragen/" An anderer Stelle dieser Nummer (S. 480) ist Näheres mitgeteilt, was seitens des Central-Vereins in dieser Angelegenheit geschehen ist. Auch bei den Reichstagsersatzwahlen gibt es sich deutlich kund, daß die antisemitische Unterwühlung nur den Boden für die Sozialdemokratie urbar macht. In dem Reichstagswahlkreise Altena-Iserlohn hat die christlich-soziale Kandidatur Rüster in Hagen Zwar keine wesentlichen Erfolge erzielt, aber die Wahlagitation dieser kleinen, sehr rührigen Partei hat sicher mit dazu beigetragen, die leidenschaftliche Erregung zu steigern, und es dem freisinnigen Kandidaten Oberlandgerichtsrat Müller unmöglich gemacht. Zur Stichwahl zu gelangen, die schließlich zwischen dem Kandidaten des Zentrums, Klocke, und dem Sozialdemokraten Haberlnnd stattfand, der mit 15 886 Stimmen gewählt wurde. Die Behauptung der agrarischen „Deutschen Tageszeitung"", daß die sozialdemokratische Partei durch die Abkommandierung einiger tausend Anhänger zur Stimmenabgabe für den Zentrums- Kandidaten mit diesem ihren Mann künstlich in die Stichwahl gebracht haben, ist glaubwürdig widerlegt worden. Bei der straffen Organisation der beiden Parteien bedurfte es wohl auch kaum eines solchen Manövers, um die Liberalen zu verdrängen, von deren Anhängern bei dem Mangel einer festen Disziplin Tausende ihrer Wahlpflicht nicht genügt haben. Der „Deutschen Tageszeitung"" lag die Annahme des angeblichen Manövers wohl nur deshalb nahe, weil ihre guten antisemitischen Freunde bei der Wahl der Mittel zur Wahlagitation nichts weniger als wählerisch zu sein pflegen.

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