Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 461 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 461 sondern auch die UmsturZideen fördert, verkennen viele Männer nicht, die auf streng christlichem Boden stehen. In solcher Hinsicht ist eine Kundgebung des Prof. Zurbruhrn in Münster im Streit um die konfessionellen Verbindungen auf den deutschen Hochschulen sehr beachtenswert. Dieser katholische Theologe sagt dabei: „Religiöse Unduldsamkeit und Anfeindung fremden Glaubens und Kirchentums, unter welcher beschönigenden Phrase sie sich verbergen, in welcher Form sie auftreten mögen, sind dagegen auch des Vaterlandsfreundes und des Gebildeten, der die Lehren der Geschichte kennt, durchaus unwürdig und das Zeichen eines unfreien Geistes. Nicht Streit, welcher trennt, sondern Liebe, die eint, fördert die Ziele der Menschheit. Gemeinsame nationale Arbeit auf demselben Boden, sowie Zusawmenstehen gegen die Umsturzideen unserer Zeit sind weit eher notwendig, als lediglich verbitternde Gehässigkeiten, die mit der Liebe zur Wahrheit nichts gemein haben." Wie richtig diese Anschauungen sind, zeigt das abschreckende Beispiel des Grafen Pückler-Klein Tschirne, dessen Vorträge anfangs vollständig im Stile der „Kreuz-Ztg." gehalten waren, der aber bei seinem verblendeten Judenhaß nach und nach dazu gelangte, erst die Sozialdemokratie zu umschmeicheln, dann sich an die Anarchisten und schließlich an die „Einbrecher" zu wenden. In einem am 2. Juli in den Armin-Hallen in Berlin gehaltenen Vortrage stellte Pückler die Judenmetzeleien von Bialpstok den Berliner Arbeitern als Vorbild hin. Die russischen Sozialisten seien durch das Morden und Plündern der Juden reiche Leute geworden, die Berliner sollten es nur ebenso machen, denn von der Arbeit allein könne man nicht leben. Bei dieser Wendung erklärte der überwachende Beamte die Versammlung für aufgelöst. Unter der Ueberschrift „Grober Unfug" schrieb darauf die „Köln. Ztg.": „Die Berliner Polizei hat offenbar den Vorwurf, den ihr der Strafkammervorsitzende Kanzow bei der Verkündigung eines der gegen den Grafen Pückler ergangenen Strafurteile am 12. Januar 1905 machte, daß sie nämlich leider in vielen Fällen nicht scharf genug gegen den Mann vorgegangen sei, um dem Unfug zu steuern, nicht beherzigt.