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Im deutschen Reich · 1906-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1906) · p. 460

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-07-01
Page
460 (sequence 7)
Language
German
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460 Im deutschen Reich. ständigen Behörde eine nähere Prüfung, ob etwa bei Aufstellung der Liste einseitige Interessen maßgebend gewesen seien. Das fromme Blatt fügte hinzu: „Im Hinblick auf die weitgehende Solidarität, die das Judentum stets betätigt, selbst wo es sich um fremde Revolutionäre handelt, wird man jene Vorschlagskollegien nicht von vornherein als gänzlich unbefangen ansehen dürfen. In einem jüdischen Staate wäre es ganz undenkbar, daß von den Handelsrichtern eines Gerichtshofes drei Viertel dem Christentume angehörten." Die „Tägliche Rundschau" übertrumpfte diese Bemerkung durch die Worte: „Zumal bei der fanatischen Feindschaft, die der jüdische Kaufmann gegen Andersdenkende, wie z. B. gegen die deutsch-nationalen Handlungsgehilfen, betätigt, würde eine eingehendere Befassung der Behörden mit diesen Dingen recht ersprießlich sein." Es ist begreiflich, wenn ein so intolerantes Organ kein Verständnis dafür hat, daß die unter Vorurteilen so viel Leidenden ihrerseits vorurteilslos sein können. In diesem Falle war übrigens der „verschämt antisemitischen Rundschau" offenbar unbekannt, daß die Kompetenz der Kammern für Handelssachen erst bei Streitobjekten von über 300Mk. beginnt, die Streitigkeiten der „Deutschen nationalen Handlungsgehilfen" demgemäß fast sämtlich vor den Kaufmanns-Gerichten Erledigung finden. Inder „B.-Z. am Mittag" wurde mitRecht darauf hingewiesen, daß die Annahme einer bei Aufstellung der Liste für die Handelsrichterernennung kundgegebenen Solidarität der Juden durchaus töricht sei; man lege sich gerade in jüdischen und nichtantisemitischen christlichen Kreisen vielmehr eine Reserve in der Übertragung öffentlicher Ämter auf jüdische Mitbürger auf. Bei der Kandidatensuche in christlichen Kreisen mache man aber oft die beschämende Erfahrung, daß niemand ein unbesoldetes Ehrenamt annehmen wolle. Die „B. Z. a. Mittag" meint: „Die antisemitische Presse richtet ihre Angriffe an die falsche Adresse, sie könnte ausnahmsweise der Allgemeinheit einmal nützen, wenn sie den Kreisen, deren Ohr sie hat, den Sinn für das Gemeinwohl schärfen würde. In dem lauteren Wetteifer, dem Staat zu dienen, wird man stets ein ganz loyales Bemühen sehen, gleichviel ob es aus engherziger antisemitischer Gesinnung oder aus höheren Gesichtspunkten entsprungen ist." Daß die Verschärfung der konfessionellen Gegensätze nicht ...... s;* sywfmitnKip in Deutschland immer unerquicklicher gestaltet.

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