Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 459 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 459 die anderen Minoritäten." Für den Geist, der das von freisinniger Seite vergeblich bekämpfte Gesetz durchweht, das schließlich doch mit seiner stiefmütterlichen Behandlung des Judentums und noch manchen anderen Mängeln unter Dach und Fach gebracht worden ist, war ein Zwischenfall in der am 7. Juli abgehaltenen Herrenhaussitzung charakteristisch. Bei der Beratung des § 40 des Gesetzes hatte der Freiherr von DurauL, der schon in den siebziger Jahren an der Wiege des Antisemitismus gestanden hat und ihr Nährvater geblieben ist, unter einem heftigen Ausfall gegen die jüdischen Richter und die jüdischen Lehrer die Regierung uw möglichst beschränkte Anstellung jüdischer Lehrer ersucht. Statt diesem feudalen Antisemiten unter Hinweis auf preußische Gesetzgebung entgegenzutreten, erklärte der Ministerialdirektor Schwarzkopf, die Regierung habe schon bisher die Zulassung jüdischer Lehrer ^nur im Rahmen des Bedürfnisses gestattet und werde auch in Zukunft so handeln." Die Zugänglichkeit zu den Aemtern ist allen Befähigten ohne Rücksicht auf ihr religiöses Bekenntnis durch Verfassung und Gesetz verheißen. Die damit im Widerspruch stehende Erklärung des Ministerialdirektors geschah, wie die „Jüdische Presse" betont, „als Herr Schwartzkopf wußte, daß die Vorlage nicht mehr an das Abgeordnetenhaus zurückgelangen würde; vorher, solange er die Kritik des Landtages zu fürchten hatte, waren seine Erklärungen aus einen anderen Ton gestimmt. Diese Episode bietet einen Vorgeschmack dessen, was unserer Lehrer unter der Herrschaft des neuen glorreichen Schulgesetzes wartet. Vae victis!" Daß die judenfeindlichen Konservativen, ermutigt durch die nachgiebige Haltung der Regierungsvertreter bei Angriffen auf jüdische Richter und jüdische Lehrer auch die Ernennung von jüdischen Kaufleuten zu Handelsrichtern bemängelt haben, ist nicht eben zu verwundern. Der Appetit kommt beim Essen. Unter den bei dem neuen Landgericht III Berlin zu Handelsrichtern ernannten 16 Kaufleuten und Rentiers befanden sich nicht, wie mehrere konservative und antisemitische Blätter behaupteten, 11 bis 12, sondern nur 8 Juden. Die „Kreuz-Zeitung" witterte dabei bereits eine Ueberhandnahme des Judentums im Handelsrichterstand und verlangte von der zu-